Arbeit in Corona Zeiten…

… mal abgesehen von den ersten zweieinhalb Monaten (8 Extra Dienste wegen (nicht Covid19) kranken KollegInnen) ist es seit Beginn der verschärften Maßnahmen am 12.3. bei mir auf Arbeit noch ruhig gewesen. Alle geplanten und nicht dringlichen OPs wurden nämlich sofort verschoben. Nur die Notfälle (bei mir alle Patienten in Norwegen mit Finger-/Handamputationen) und Lebenswichtige Operationen (Krebs-OPs, Herz-, etc. werden in Norwegen zur Zeit durchgeführt. Die sonstigen Maßnahmen sind ähnlich wie in Deutschland (nur das die Bevölkerung hier sich ohne weitergehende Zwangsmaßnahmen ganz gut an die Regeln hält). Lediglich das Verbot in ihre Hütten zu fahren (die meisten besitzen irgendwo eine Hütte im Wald) musste mit etwas Nachdruck durchgesetzt werden.

Alles natürlich um Kapazitäten freizuhalten für Corona/Covid19 Patienten die schwerere Symptome haben und im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Weil sich deren Zahl in Norwegen aber noch in Grenzen hält (Stand 2.4.2020: 5 Mio Einwohner, ca 5000 bestätigte Infizierte, ca 500 im Krankenhaus, ca 50 Tote), haben wir bisher noch relative Ruhe gehabt und als Vorbereitung diverse online Kurse für einen evtl Einsatz als Hilfen auf Intensiv als Aufgabe bekommen.

Letztens hatten wir dann mal was neues: (ich beschreibe es mal ausführlich damit ihr euch das vorstellen könnt) die Klinikleitung hat beschlossen alle Patienten und Angehörige die ins Krankenhaus wollen vor dem Haupteingang zu befragen und evtl zu testen. Einige von uns haben warme Anzüge bekommen und stehen außen und befragen alle. Wenn bestimmte Fragen mit „Ja“ (kürzlich Husten, Fieber,…) beantwortet werden gehts weiter in ein Zelt in welchem der Test in Mund und Nase von uns durchgeführt wird. Der Coronaverdächtige Patient wird in ein anderes Zelt begleitet und kurz danach mit Mundschutz auf die Station in Isolation gebracht. Die Covid19 Probe (geschlossenes Röhrchen mit Wattestäbchen) wird außen 2 x desinfiziert und durch eine Schleuse ins Labor gebracht. Das wirkt fast wie in „Outbreak“ und ähnlichen Hollywood Filmen.

Die KollegInnen mit dem direkten Kontakt zum Patienten haben Mundschutz, Kittel, Schutzbrille und -haube um eine Infektion zu verhindern.

So was hab ich in 15 1/2 Dienstjahren zum Glück noch nicht erlebt. Und muss es auch im restlichen Arbeitsleben nicht nochmal haben. In Mittel- und Nordeuropa können wir uns glücklich schätzen, das und die Krise nicht so getroffen hat bisher wie in Süd- und Westeuropa oder Übersee. Und wir können uns sehr glücklich schätzen ein (im Vergleich zu anderen Ländern) funktionierendes Gesundheitssystem zu haben, in dem jeder versichert ist!

Wenn dieser ganze Mist von Corona Krise vorbei ist, hoffe ich dass alle Erkenntnisse sinnvoll evaluiert werden um bei der nächsten (hoffentlich in ferner Zukunft) Pandemie vernünftiger zu agieren!

Und die Medien – und zwar ALLESAMT – sollten sich mal ganz tief ins Kämmerchen vergraben und allgemein (Sensationsgier) und im speziellen (Corona Panikmache) über ihre journalistischen Grundsätze meditieren (und erst rauskommen wenn sie die wieder gefunden haben!)!!!

Zum Schluss noch was zum schmunzeln: für alle die gestern extra3 geschaut haben: ja, das mit 3 Patienten stimmt schon manchmal, aber es ist nicht richtig, dass 2 davon Elche sind… zumindest nicht in Oslo … 😁 (ab Minute 37 etwa) https://youtu.be/i8qWZAk1yGE

Bleibt gesund und Gott behütet

Euer Christian

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein

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