Praktikum in Norwegen September 2012

Nach drei erlebnisreichen Wochen Praktikum auf der Hals-Nasen-Ohren-Station des Rikshospitalet i Oslo (eines der Osloer Universitätsklinika – es gibt noch das Ullevalsykehus und das DNR – Den Norske Radiumhospital, also die Strahlenklinik und eine Reihe angeschlossener Klinikas) bin ich wieder zurück in Deutschland. Meine Sprachfähigkeiten sind viel besser geworden.

Doch der Reihe nach: An das Praktikum bin ich über Facebook gekommen. Dort schrieb ich einer Bekannten (Danke, Eva!) aus dem Norwegisch-Kurs der VHS Erlangen, die sich schon 2011 beruflich nach Oslo umgezogen ist und fragte nach ob sie jemanden wisse der mir ein Praktikum zum Sprache lernen vermitteln könne. Glücklicherweise hatte sie bei der deutsch-norwegischen Gesellschaft in Oslo kurz zuvor den Oberarzt Dr. Dollner kennengelernt, der mir nach Kontaktaufnahme innerhalb weniger Tage das Praktikum ermöglicht hat. Er ist selber vor einigen Jahren dorthin ausgewandert und hatte viel Verständnis für meine Ambitionen. Nach der Kontaktaufnahme mit der Stationsleitung der Bettenstation der HNO und einem MRSA-Probeabstrich der negativ sein musste konnte ich Flug und Unterkunft für meinen Urlaub in Oslo planen.

        MRSA ist in der Öffentlichkeit als Krankenhauskeim bekannt. Schätzungen zufolge tragen bis zu 50% des gesamten medizinischen Fachpersonals und viele Patienten den Keim in sich. Bei gesunden Menschen ist das  nicht so schlimm, ausser dass sie ihn weiterverbreiten können, aber bei Menschen die durch eine Krankheit bereits ein geschwächtes Immunsystem haben, kann der Keim zu gefährlichen weiteren Infektionen, Wundheilungsstörungen, …. führen. Norwegen bekämpft die Ausbreitung des Keimes mit strickten Kontrollen beim Personal und den Patienten. Laut Statistiken auch erfolgreich, denn in Norwegen soll es unter 1% infizierte Menschen geben.

Am 1.9. bin ich dann etwas nervös nach Oslo geflogen und wurde mit wunderbarem Wetter begrüßt. Gleich am Nachmittag fand eine Luftwaffen-Flugshow zum 100 jährigen Geburtstag der Norwegischen Luftwaffe statt, was sehr beeindruckend war. Siehe Bilder: Hinflug:
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Tag 1:
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Tag 2:
https://www.icloud.com/journal/#1;CAEQARoQaGdzepiLe_0ldJ8uWbLPxg;5F398647-2361-4F95-B828-D4A791DF27F8

Vom 3.-16.9. bin ich dann auf der Sengepost (Bettenstation) der Øre-nese-hals-avdeling (Ratet mal was das heißt!) ‚mitgelaufen‘ und habe vom dortigen Arbeitsalltag erste positive Eindrücke gesammelt. Meine Kolleginnen und die Patienten waren von Anfang an sehr freundlich und haben sich auch meistens bemüht, langsam und deutlich mit mir zu sprechen. Wenn ich was nicht verstanden habe, erklärten sie es mir auf Englisch. Und die Patienten haben ihre „Deutsch-Brocken“ rausgeholt. Etwas zu meiner Verwunderung wurden meine Sprachfähigkeiten gleich gelobt. Gerade bei den Privatgesprächen der Kolleginnen fiel mir das Verstehen des Inhaltes zuerst wegen der Schnelligkeit und mancher Dialekte sehr schwer, aber in der 2. Woche habe ich auch davon zunehmend mehr verstanden.  Etwas problematisch sind für Anfänger auch die Besonderheiten der norwegischen Sprache.

Davor hatte ich einige Bewerbungen 2011 und 2012 nach Trondheim und Tromsö geschickt, die leider erfolglos blieben, teilweise mit dem Hinweis, dass meine Norwegisch-Kenntnisse noch nicht ausreichend seien, obwohl ich seit 2006 an der Erlanger VHS einen Sprachkurs besuche. Im Land lernt man die Sprache doch am besten. Die Erfahrung hatte ich schon mit Englisch als ich 1995 sechs interessante und schöne Wochen in den USA bei Quinlan’s verbracht habe. Inzwischen weiß ich auch, dass erfolgreiche Bewerbungen am besten über ein spezielles Internet-Portal einzureichen sind.

Die Arbeitsbedingungen sind – selbst wenn nur die Hälfte davon stimmen würde – traumhaft. Während der Woche sind auf der HNO-Station 8 Pflegekräfte im Früh-, 6 im Spät- und drei im Nachtdienst anwesend und kümmern sich um die max. 25 Patienten. Am Wochenende etwas weniger. Dazu kommen noch 1-2 „Stationsekretärinnen“ (Kollegen die sich um Neuaufnahmen, Entlassungen, Konsile, … kümmern) Auf der Orthopädie dürften die Verhältnisse ähnlich sein. Dazu kommt noch, dass es die Deutsche Hierarchie im Gesundheitswesen so nicht gibt. Therapievorschläge der Pflegekräfte werden genauso diskutiert, als kämen sie vom Chefarzt. Man spricht alle mit Vornamen an, denn die Norweger kennen die „Sie“-Form nicht (wie im Englischen), was meiner Meinung nach die Zusammenarbeit im Team fördert. Ok, dass man auch die Patienten mit Vornamen anspricht ist etwas ungewohnt. Ausserdem gefällt mir sehr, dass es nur eine (staatliche) „Krankenkasse“ gibt und man sich mit der nur selten rumärgern muss, im Gegensatz zu Deutschland. (Kann mir mal jemand vernünftig erklären warum wir ca. 150 Krankenkassen mit 150 Verwaltungen brauchen?????) Hier ein Auszug von der Homepage der Norwegischen Botschaft:

Der staatliche Gesundheitsdienst wird durch Steuern finanziert und ist für alle Einwohner gleich zugänglich, unabhängig von ihrem sozialen Status. Mit 242.500 Beschäftigten ist der staatliche Gesundheitsbereich einer der größten Bereiche in der norwegischen Gesellschaft.

Diverse Innovationen unterstützen meine Meinung zum Norwegischen Gesundheitswesen noch: – die Berichte werden alle in einem Computerprogramm getippt, bei dem Stichwörter vorgegeben sind. Da fällt das Berichte schreiben gleich leichter. Und es ist auch weniger Verwaltungskrams zu erledigen. In Deutschland habe ich das Gefühl, die meiste Zeit mit Bürokratie zu verbringen und nicht mit den Patienten (Ursprünglich hatte ich aus dem letzten Grund die Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht!) Man hat Zeit dem Patienten was gutes zu tun, mit ihm zu reden, … Und man kommt stressfrei aus der Arbeit heraus. Das ist ein ganz neues Lebensgefühl.      – eine weiter Innovation ist z.B. der Patientenheimtransport. Wenn klar ist, der Patient kommt aus einem Umkreis von ca. 200-300 km, und kann nicht abgeholt werden oder selbst fahren, wird er dem „Helse-Expressen“ (= Gesundheit-Express) gemeldet. Mittags kommen dann Busse und fahren die Patienten nach Hause. Bei uns in Deutschland wird da ein Krankentransport oder Taxi geholt. Ein Bus mit 50 Patienten ist meiner Vermutung nach wesentlich billiger als 50 Transporte mit Krankenwagen oder Taxi, oder? 🙂

Während des Praktikums habe ich in der Jugendherberge „Haraldsheim“ in einem 4er Zimmer übernachtet, was mich dazu animiert 🙂 hat, möglichst viel Zeit in Oslo, auf dem Fjord oder in der freien Natur zu verbringen. Dabei habe ich viel Schönes erlebt: Gospelkonzert in Drammen, Spätsommerwetter auf den kleinen Fjordinseln, Flugshow zum Jubiläum 100 Jahre Norweg. Luftwaffe, Vortrag über Wikingerausgrabungen der dt.-norw. Gesellschaft,… Dazu beigetragen hat das günstige Monatsticket (80€ für den Nahverkehr inkl. Fjordfähren im Gesamtraum Oslo – und Oslo ist flächenmäßig 4x so groß wie Paris bei nur ¼ der Einwohner!), das überwiegend schöne Wetter und die Tatsache, dass ich nach einer Schicht im Norwegischen Krankenhaus nicht 1-2 Stunden zum Regenerieren brauche, wie hier in Deutschland.

Natürlich ist mir klar, das Oslo als teuerste Hauptstadt der Welt gilt, aber das gleicht sich mit dem entsprechendem Gehalt wieder aus. Teuer sind v.a. Mieten, Essen gehen, Alkohol. Ähnlich oder etwas teurer sind Klamotten, Schuhe, Kultur, Lebensmittel, Benzin. Billiger ist der Nahverkehr. Und um mal gleich weitere Vorurteile auszuräumen: in Norwegen ist es dunkel und kalt und es regnet immerzu. Sonnenscheindauer ist in Oslo am 21.12. von 9:15 – 15:16 Uhr und am 21.6. von 3:50 – 22:48 Uhr (>>Google: Blaue Stunde Rechner!) und das Klima ist stark maritim geprägt mit milden Wintern und angenehmen Sommern.

In den vier Tagen nach dem Praktikum bis zur Rückreise habe ich mich dann auf die freie Stelle der benachbarten Orthopädischen Station beworben. Ein Termin mit der „Avdelingsleder“ (=Stations- bzw. AbteilungsleiterIn) klappte leider nicht mehr.

Die Rückfahrt mit der Colorline habe ich mir dann gegönnt als Belohnung und Ersatz für die spartanische Unterbringung.

Hier folgen nun noch weitere Links zu den Bildern aus dem Praktikum:
Fjord Øya Tour:
https://www.icloud.com/journal/#1;CAEQARoQaGdzepiLe_0ldJ8uWbLPxg;B87704E6-418C-4A55-BB79-EECF1B12250F

Ausflug zum sognsvann:
https://www.icloud.com/journal/#1;CAEQARoQaGdzepiLe_0ldJ8uWbLPxg;95189730-963F-465D-ADF9-BBC597D80AF4

Hier gibts neue bilder von der Osloer Oper und einer Wanderung um/bei Oslo ( bei selbiger war ich nie mehr als drei km Luftlinie vom Stadtrand von Oslo entfernt. Und ich bin mit zwei unterschiedlichen Metro linien an und abgereist, das Nahverkehrssystem hier ist spitze!)

https://www.icloud.com/journal/#1;CAEQARoQaGdzepiLe_0ldJ8uWbLPxg;73B47446-C110-4D27-8088-9289D384FE09

https://www.icloud.com/journal/#1;CAEQARoQaGdzepiLe_0ldJ8uWbLPxg;9A3ED72C-8619-4EFA-83E5-ADBF7CE9B3EA

Gospelkonzert in Drammen:

https://www.icloud.com/journal/#1;CAEQARoQaGdzepiLe_0ldJ8uWbLPxg;06FDDDB6-FB98-45A8-B382-E3D40956AFEB

Rikshospital:
https://www.icloud.com/journal/#1;CAEQARoQaGdzepiLe_0ldJ8uWbLPxg;331B3516-9F83-4500-9370-7DABB58E6115

Oslo Hafen:
https://www.icloud.com/journal/#1;CAEQARoQaGdzepiLe_0ldJ8uWbLPxg;D0A98904-2D55-407A-9F6E-FDE6EC65E7E8

Holmenkollen und Fjord Øya Teil 2

https://www.icloud.com/journal/#1;CAEQARoQaGdzepiLe_0ldJ8uWbLPxg;42265C2C-F081-4C7D-8933-02CBA855FD4E

Geburtstagsbilder:

https://www.icloud.com/journal/#1;CAEQARoQaGdzepiLe_0ldJ8uWbLPxg;53A6579C-DACD-4932-8449-0A2DC3F2F556

Und die letzten Bilder aus Oslo:

https://www.icloud.com/journal/#1;CAEQARoQaGdzepiLe_0ldJ8uWbLPxg;5E0FE364-98DF-4D7B-A4CC-4AAFBC6C59E6

Abfahrt in Oslo und Sonnenuntergang auf hoher See…
https://www.icloud.com/journal/#1;CAEQARoQaGdzepiLe_0ldJ8uWbLPxg;47E5D335-6270-4BAC-8A8B-72F56B8F1351

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