„Du siehst mich“ – Ein Fest – Reformationskirchentag in Berlin und Wittenberg

Liebe Leserinnen und Leser,

Meine Begeisterung für Kirchentage konntet ihr ja schon kürzlich in dem Artikel über den 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) 2015 in Stuttgart lesen (hier der Link zum nachlesen:  „damit wir Klug werden“ – 35. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Stuttgart 2015
Dieses mal lasse ich euch nicht 2 Jahre warten und möchte euch an meinen Erlebnissen und der Freude über den 36. DEKT in Berlin und Wittenberg 2017 teilhaben lassen – schließlich ist es ein besonderer Kirchentag: Der Kirchentag zum 500. Jubiläum der Reformation, die in Wittenberg mit dem Thesenanschlag Martin Luthers (ja, ich weiß, historisch etwas ungenau) begonnen hat.

Ich hatte mir dieses Mal etwas mehr Zeit für die Stadt des Kirchentages genommen. Dank der Eltern eines guten Freundes hatte ich die Möglichkeit während ihrer Abwesenheit ihre Wohnung nutzen zu können – mitten in (West-)Berlin am Hohenzollerndamm. Diese Innenstadtnähe ermöglichte mir einen sehr angenehmen und entspannten Kirchentag (kein Mitschleppen schwerer Rucksäcke mit viel Inhalt). Und mein Bruder Martin – der sich kurzfristig zur Teilnahme am Kirchentag entschieden hat – konnte auch noch dort mit übernachten. Meine Anreise erfolgte schon am Sonntag vorher mit einer gemütlichen Fahrt durch Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt nach Berlin. Nach einem sehr guten Wildschweinbraten auf Schloss Burgk in Thüringen

war ein erster Besuch in der Lutherstadt Wittenberg mein nächstes Ziel, wo gerade die WELTAUSSTELLUNG REFORMATION eröffnet worden war. Den Nachmittag nutzte ich aber erstmal zum Spaziergang durch die wundervoll hergerichtete Wittenberger Altstadt.

Am Montag habe ich mir ein Berlin Mitte mit dem Fernsehturm am Alex angedeihen lassen und inkl. eines Mittagessens am Arbeitsplatz meines Cousins Volker mit exklusiver Führung durch das Auswärtige Amt.

Den Dienstag habe ich mir für die Internationale Gartenausstellung in Berlin-Marzahn ausgewählt und diese dann auch bei schönstem Sommerwetter genießen können. Neben einem (für mich als Landschaftsgärtner sowieso) sehr interessanten Gartenpark, habe ich dort auch das beste Fruchteis meines Lebens gegessen: Ananas mit Thaibasilikum 🙂 – leider habe ich es seitdem nicht mehr gefunden… 😦

Am Mittwoch begann dann das Fest mit dem Eröffnungsgottesdienst, den Martin und ich auf der Wiese vor dem Reichstag erlebten, was schon sehr beeindruckend ist. Im Anschluss gab es ansprachen u.a. von Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert. Beim Abend der Begegnung in Berlin Mitte konnte man viele Spezialitäten aus der Region genießen, präsentiert von den Kirchengemeinden und anderen Vereinen und Musik auf verschiedenen Bühnen erleben. Den Abschluss bildete der Abendsegen vor dem Brandenburger Tor.

Was diesmal anders war am Kirchentag waren die Taschen- und Rucksackkontrollen vor den Großveranstaltungen und die größere Anzahl an bewaffneten Polizisten. Leider muss auch bei einem friedlichen Treffen wie dem Kirchentag der Bedrohung durch Terroristen Rechnung geschuldet werden.

Am Donnerstag fand dann vormittags mein persönliches Highlight des Kirchentages statt: die Podiumsdiskussion mit dem 44. US Präsidenten Barak Obama und Kanzlerin Angela Merkel. Martin und ich waren schon zur Bibelarbeit dort – allerdings auch um einigermaßen gute Plätze zu bekommen. Dummerweise kamen ein paar weitere Menschen auch auf die Idee sich dieses Ereignis nicht entgehen zu lassen: circa 75.000 Besucher ist auch am Kirchentag eine ungewöhnlich hohe Zahl an Teilnehmern bei nur einer Veranstaltung. Beim OpenAir Konzert der Wise Guys am Kirchentag in Köln 2007 waren es noch 2000 mehr. Aber zurück zu Obama: Das Publikum hat er gleich am Anfang „gehabt“: „First of all: Guten Tag! Schön, in Berlin zu sein“… Ok, nicht gerade „Ick bin ein Berliner“, aber es kam sehr gut an… 😉    Obama und Merkel auf dem DEKT 2017 in Berlin

In den folgenden 90 min ging es um die Weltpolitik, die Flüchtlinge, Gewalt, Krisen und Krieg und Frieden. In der ersten Hälfte kamen die Fragen und Moderation von Kirchentagspräsidentin Christina aus der Au und dem Ratsvorsitzenden der Ev.Kirche in Deutschland Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Im 2.Teil waren vier jungen Menschen aufgefordert die Fragen zu stellen, teilweise auch unangenehme Fragen. Interessant fand ich Obamas Antwort auf die Frage wie er damit leben könne als Christ, dass bei den vielen Drohnenangriffen viele Zivilisten umkamen: Obama sagte, dass die Drohnen Attacken es häufig unnötig gemacht hätten mit Bodentruppen einzugreifen. „Boden“Kriege würden viel mehr zivile Opfer fordern, aber es würde weniger über diese berichtet werden als über die Opfer von Drohnenangriffen. Z.B: hätten die Drohnenangriffe den Völkermord des IS an der Religionsgruppe der Jessiden im Nordirak gestoppt. Das macht zwar Kriege nicht besser, aber ich finde es zumindest einen sehr interessanten Ansatz!

Am Nachmittag haben wir im Berliner Dom eine sehr Interessante Diskussion zum Thema Kirche und Internet und Datenschutz verfolgt: #guckstduhier – Das Netz – unendliche Freiheit, gesteigerte Angst. Prominent besetzt mit u.a. dem Grünen-Politiker Konstantin von Notz und Dr. Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der EKD und anderen.

Abends das 2. Highlight: das letzte Open Air Konzert der A-Capella Band „Wise Guys“ an einem Kirchentag vor dem Brandenburger Tor. Leider hat sich die Band im Sommer aufgelöst. Dieses wundervolle Konzert wollten sich 50000 nicht entgehen lassen.

Am Freitag war ich dann mit leichter Verspätung auf der Messe Berlin bei einer Dialogbibelarbeit von Ratsvorsitzendem der EKD Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Marx
und anschließend kurz am Markt der Möglichkeiten unterwegs und beim Kabarett „Viva la Reformation! Best of CSU – der christliche satirischen Unterhaltung. Pfarrer Maybach-Mengede hat die Reformation und das aktuelle Tagesgeschehen sehr schön in Satire und Spitzen gegen Politiker, Religion und Fanatiker verpackt.

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Best of CSU

Dazwischen muss auch immer mal etwas Entspannung sein, in diesem Fall ein Besuch im Zoo. (Leider noch ohne Pandabären, die kamen erst im Juli)
Der Samstag war wieder für den Markt der Möglichkeiten reserviert. Es ist unglaublich wie viel verschiedene Themen dort behandelt werden. Man findet eigentlich zu allem etwas was irgendwie mit Kirche zu tun haben könnten. Verlage mit christlicher Literatur, Parteien, Vereine, sogar die Bundeswehr und das Bundesamt für Strahlenschutz sind vertreten, ebenso wie konservative Verbände und Verbände für Gleichberechtigung, Homosexualität, ….. einfach alles. Sogar Atheistische Verbände… 🙂

Am Abend waren wir bei Bodo Wartke, seines Zeichens Klavier-Kabarettist: „Was, wenn doch?“ Klavierkabarett in Reimkultur. Er ging einfachen Fragen gesanglich und kritisch auf den Grund: Was treibt uns an? Wieso fällt es uns schwer, Wandel als Chance anzunehmen? Warum handeln wir aus Angst anstatt aus Liebe? Eines seiner Lieder lautet „Nicht in meinem Namen“ ( Bodo Warthke – Nicht in meinem Namen ) – darin verarbeitet und verurteilt er Fanatiker jeglicher Couleur.  Spitzenklasse! Als Gast hatte er Fee Badenius dabei, die nicht minder begabt ist und ebenso fantastische Lieder schreibt: Fee Badenius – Fleischeslust

Der Abendsegen bei schönstem Sommerabendwetter im Park der Messe war ein sehr schöner Abschluss des Berliner Teils des Kirchentages.
Am Sonntag wartete der Kirchentag dann mit einer Besonderheit auf: dem großen Festgottesdienst auf den Elbwiesen in der Lutherstadt Wittenberg. 120-150T Menschen kamen mit der Bahn, Bus und dem Auto von Berlin nach Wittenberg um gemeinsam den Kirchentag und die Reformation zu feiern. Die Anreise gestaltete sich etwas schwieriger, da gleichzeitig auch die Fussball Fans vom Pokalfinale auf die Idee Kameen nach Hause zu fahren 😦 Vor Ort war aber ein guter Shuttleservice vom Parkplatz zur Festwiese eingerichtet. Nur der Fussweg auf dem letzten Kilometer hätte kürzer ausfallen müssen (Nicht wirklich für ältere Menschen oder Gehbehinderte geeignet)
Mit etwas Verspätung kamen wir dann beim Gottesdienst an und konnten die sehr eindrückliche Predigt vom südafrikanischen Bischof Thabo Makgoba noch erleben. Nach einigen Grußworten – u.a. von Bundespräsident Steinmeier – und der Einladung zum Deutschen Katholikentag 2018 und dem nächsten Evang. Kirchentag in Dortmund 2019 konnten dann alle die noch Zeit und Lust hatten zusammen bei einem Reformationspicknick den schönen Sonntag genießen, Theater, Kleinkunst und Musik erleben. Dieser gemütliche und stressfreie Ausklang war ein ganz besonderes Erlebnis. Für mehr Interesse: ein Link zum Festgottesdienst Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum 2017
Ich hatte ja noch Urlaub und habe am Montag die Weltausstellung Reformation in Wittenberg besucht und mir ausführlich zu Gemüte geführt. Rund um die herausgeputzte Altstadt von Wittenberg war von Mai bis September ein buntes Programm rund um das Reformationsjubiläum geboten: Meine Highlights: die Lichtkirche (eine Holzkirche mit bunten Glasfenstern durch die sich die Sonne bricht und eine Farbenwelt hervorzaubert, die Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ im ehemaligen Stasi-Gefängnis haben 95 Künstler die Zellen gestaltet mit verschiedenen Dingen die ihnen zur Reformation und Kirche einfielen. V. a. aber das riesengroße 360° Panoramakunstwerk „Luther 1517 – Glaube, Wissen, Selbstbestimmung“ vom Künstler Yadegar Asisi. Es zeigt das Mittelalterliche Leben 1517 in Wittenberg, samt Luther, der gegen die Ablässe predigt, Kurfürst Friedrich der mit seinem Gefolge nach Wittenberg reitet, Hexenverbrennung, Markttreiben, etc.
In einem alten Gasometer ist dieses 15 x 75 Meter große Kunstwerk an der Wand zu sehen. Man selber steht erhöht in der Mitte und lässt es auf sich wirken. Durch Lautsprecher ertönen die Reden und Geräusche von damals und nach einiger Zeit fühlt man sich selber wie mittendrin. Wer das nicht sehen konnte während der Weltausstellung hat noch bis 2021 Zeit es auf sich wirken zu lassen. Es lohnt sich wirklich – ich war wie gefesselt von diesem Panorama! Bis 2021 könnt ihr das noch ansehen! Asisi Panorama in Wittenberg
Beim weitern Rundgang durch die Wallanlagen um Wittenberg kommt man an der Schlosskirchen mit Thesenanschlag vorbei zum Bayerischen Garten. Hier ist eine „Krippe“ aus 2017 Holzlatten aufgebaut. Schaut man in die X-förmige Krippe, sieht man in einen Spiegel und kann den Himmel auf sich wirken lassen. Je bei der richtigen Zahl der Holzlatten sind an der Wand dahinter bedeutende Ereignisse der Geschichte verzeichnet von Christi Geburt (vor Holzlatte 1) über den Thesenanschlag (Nr. 1517) bis heute.
Abschließen konnte man den Rundgang mit einer Fahrt im Riesenrad oder einem Gang über die Himmelspfade auf dem Bunkerberg (Verspiegelte Stege die dort einen kleinen Ausblick ermöglichen)
Alle interessanten Infos zum Reformationsjubiläum unter  r2017.org   und zum Kirchentag findet ihr in diesen Links: Kirchentag.de

Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Jahr die Möglichkeit hatte zum Reformationsjubiläum  den Kirchentag und die Weltausstellung so intensiv erleben zu dürfen.

Wir sehen uns vom 19.-23. Juni 2019 in Dortmund zum 37. Evangelischen Kirchentag –

So Gott will und wir leben!

 

 

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein

37 Minuten Entspannung – Hurtigruten Tour im Zeitraffer

Liebe Verwandte und Freunde, liebe Leserinnen und Leser,

Wer sich fragt, was Mama, Papa und ich 2015 erleben durften: im folgenden Clip ist die  Hurtigruten Reise von Bergen bis Kirkenes (147 Std) zu sehen – in 37 Min – im Zeitraffer.
Vielleicht kennen manche von Euch das Nachtprogramm in manchen ARD Sendern, bei dem eine Kamera in der Lokomotive von Zügen installiert ist und man die gesamte Strecke mitfahren kann. Norwegens Staatsender NRK hat das perfektioniert. „Minutt for Minutt“ heißt das Konzept hier und dabei werden verschiedene Themen in Echtzeit und am Stück im (Sommerferien-) Fernsehen gezeigt. Zum Beispiel gab es ein Jahr mal die Sendung über das Stricken des berühmten Norweger Pullovers, ein anderes Jahr wurden sämtliche Lieder des norwegischen Gesangbuchs von Chören hintereinander gesungen. Einmal konnte man die Bahnstrecke nach Bergen (über 6 Std.) sehen.
Aber die mit Abstand längste Sendung war 2011 die einfache Tour der Hurtigruten Strecke von Bergen nach Kirkenes. Das sind etwa 6 Tage am Stück!

Wer sich das ausführlich antun will: in der Beschreibung unter dem 37 Min. Clip auf YouTube ist der Link zu der Sendung zu finden.

Die folgenden 37 Min geben aber schon mal einen guten Eindruck über diese fantastische Seereise!

Viel Spaß beim schauen!
Euer Christian

 

PS: Hier noch eine neuere Reisedokumentation über die schönste Seereise der Welt. Auch die Städte kommen hier etwas ausführlicher vor!

 

BTW17 – ashamed and shocked!

72 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs und der Nazi Herrschaft – mit all ihren Leid und Zerstörung in der Welt – sitzt wieder eine Neo-Nazi Partei im deutschen Bundestag.

Ich bin entsetzt, traurig und schäme mich dafür!

Nun müssen alle demokratischen Menschen zusammen stehen und mit demokratischen Mitteln gegen diese rechtspopulistischen Rattenfänger zusammen stehen.

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein

Seltsamer Winter 2017 – oder: Finally snow came to Oslo – UND HOFFENTLICH IST JETZT MAL FRÜHLING!

Liebe Leserinnen und Leser,

(nur dass ihr euch nicht wundert: Ich arbeite mal meine Entwürfe für Blog Artikel auf… )

nachdem ich schon nicht mehr damit gerechnet habe, dass es diesen Winter noch richtig weiß wird, hat Frau Holle Anfang Februar doch noch Erbarmen mit Oslo gehabt und es schneien lassen. 🙂
Die Medien haben schon vom Schneeärmsten Januar seit 50 Jahren in ganz Süd – und Ostnorwegen. Anfang November kam an 2 Tagen mal etwas Schnee – 20 cm vielleicht –  (viel zu früh für mein Empfinden) vom Himmel, der aber nach zwei Wochen wieder weg war.
In Dezember und Januar hat es dann immer wieder mal minimalst geschneit und war teilweise ziemlich eisig die Landschaft war teilweise Raureif-Weiß, aber so richtig geschneit hat es nicht.

Gut im Februar hat es nun einige Male geschneit – aber Massen waren es noch nicht. Nun ist März und ich kann meine „Schnee-schipp-Zeiten“ an einer Hand abzählen. (Ja, ja, wenn ich nächstes Jahr meckern sollte über zu viel Schneeschippen, dürft ihr mich an den Artikel erinnern…. 😉  )
Insgesamt dürften es keine 50 cm Schnee gewesen sein – und das ist zusammengerechnet sehr wenig für Oslo. (Aber der Präsident auf der anderen Atlantikseite glaubt ja nicht an Klimawandel, jaja…)

Nun da es am ersten Wochenende im Februar aber doch ganz ordentlich geschneit hat – etwa 10-20 cm (das kommt auf die Höhe an) – kann man aber auf jeden Fall die Landschaft genießen, Ski und Langlauf fahren und hat ein „Winter-Gefühl“.
Dann kam gestern noch einigermaßen schönes Wetter dazu und da habe ich mich für einen Winterspaziergang mit Fahrrad entschieden. Mit der T-Bane (Metro) hoch zum Frognersetern gefahren an der vorletzten Haltestelle Voksenkollen ausgestiegen, und dann mit dem Fahrrad – teilweise schiebend – über den Voksenåsen und durch den Winterwald und dann wieder runter zu mir nach Hause.

Aktualisierung: Nun ist es schon Mai und man könnte denken „Frühlingszeit“ Pustekuchen….. einmal kurz warm (über 10° C Ende März) und letzte Woche über 20 °C… aber heute, gestern und vor 2 Wochen gab es doch glatt noch mal Schneefall bis in die Niederungen – ich hab genug davon bis Ende November!!! 😦

An den schönen Schneebildern möchte ich euch hier mit genießen lassen:

 

 

 

 

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein

„Was machst du eigentlich beruflich?“ – Patientenbericht aus der Zeitung

Liebe Leserinnen und Leser,

nach langer Zeit mal wieder ein Lebenszeichen von mir.

Achtung: In dem Artikel geht es um mein Arbeitsfeld und Blut. Wer das nicht verträgt sollte den Artikel lieber nicht lesen!
Ich werde immer mal wieder gefragt, was ich mache und wenn ich dann antworte Krankenpfleger kommen nachfragen was genau und so weiter. Sonst bin ich ja an die Schweigepflicht gebunden, aber da hier der Patient selber der Zeitung über seinen Unfall berichtet hat, kann ich das mal verwenden. Außerdem ist es ein toller Artikel über Nachbarschaftshilfe. Zu erst auf Norwegisch: (die deutsche Übersetzung folgt immer Anschluss in kursiv)
(an die Norwegisch Spezialisten: evtl. Übersetzungsfehler bitte ich zu verzeihen, ich übersetze es sinngemäß nicht wortwörtlich) 

(Erklärungen zu verschiedenen Punkten stehen in Klammern)

Kappet av tommelen – fikk uventet hjelp av naboene

Daumen abgeschnitten – bekam unerwartete Hilfe von den Nachbarn

Mens Stein Bakken lå på Rikshospitalet mobiliserte naboene til dugnad. – Det er helt rått, sier Bakken fra sykesenga i Oslo.
Als Stein Bakken (Name d. Patienten) im Rikshospital lag, organisierten seine Nachbarn eine „Dugnad“ (häufiger Norwegischer Brauch in Mehrfamilienhäusern, Wohnblöcken, Gemeinden, Firmen > gemeinsames Saubermachen, Frühjahrsputz, Renovieren, etc.) – Das ist total abgefahren, sagte Bakken vom Krankenbett in Oslo.

– Det er godt å bo på Kolvereid for å si det sånn, sier Stein Bakken fra sykesenga i Oslo.– Es ist gut in Kolvereid zu wohnen, das muss man mal so sagen!, sagte Stein Bakken vom Krankenbett in Oslo aus.FOTO: PRIVAT

Elisabeth Skarrud, Journalist, Malin Sveinsdotter Lystad, Journalist Publisert i dag, for 5 timer siden
Fredag kveld var Stein Bakken og kona i full gang med å male huset. Etter en stund tar Stein en pause fra malinga for å kløyve ved.
Freitag Abend war Stein Bakken und seine Frau damit beschäftigt das Haus zu streichen. Nach einiger Zeit hat Stein eine Pause vom Malen gemacht um Holz zu hacken. 
– Jeg sto og sagde ved med en vedmaskin. Jeg tok vel en sjans og da gikk tommelen av, sier Stein.
– Ich stand da und sägte Holz mit einer Tischkreissäge. Ich war wohl etwas zu unvorsichtig und da war der Daumen ab, sagte Stein.
Selv om han så at deler av tommelen var borte beholdt han fatningen.
Selbst als er sah, dass ein Teil des Daumens ab war, behielt er die Fassung.
– Jeg skjønte med en gang at dette ikke var dødsalvorlig så jeg var helt rolig. Jeg jobber i brannvesenet, så jeg har sett litt forskjellig.
– Ich wußte sofort, dass es nicht lebensgefährlich war, daher war ich ganz ruhig. Ich arbeite bei der Feuerwehr, da habe ich schon einiges gesehen.
Det var Namdalsavisa som først omtalte saken
Die „Namdalsavisa“ (Zeitung aus Namdal) schrieb als erste über die Sache.
– De trodde ikke på meg
– Sie glaubten mir nicht.
Da han oppdaget hva som hadde skjedd slo han av traktoren og gikk bort til kona som sto og snakket med to andre damer.
Als er merkte was passiert war, stellte er die Maschine ab und ging zu seiner Frau, die mit zwei anderen Damen redete.
– Jeg sa hun måtte ringe 113 fordi jeg hadde kuttet av tommelen. Men de trodde ikke på meg fordi jeg var så rolig.
– Ich sagte sie müssen 
die 113 (norwegischer Notruf) anrufen, weil ich mir den Daumen abgeschnitten habe. Aber sie glaubten mir nicht, weil ich so ruhig war.
Da han viste fram tommelen ble reaksjonen en annen.
Als ich ihnen den Daumen zeigte wurde die Reaktion eine andere.
– Jeg satt meg på trappa fordi jeg følte meg litt uvel, men det var ikke så smertefullt.
– Ich setzte mich auf die Treppe, da ich mich ein wenig unwohl fühlte, aber es war nicht sehr Schmerzhaft.
De ringte 113 og fikk spørsmål om de hadde funnet den avkappede delen av tommelen.
Sie riefen die 113 an und wurden gefragt ob der abgeschnittene Teil des Daumens gefunden wurde.
– Jeg tuslet tilbake og kikket under traktoren, og der lå den i flisdungen.
– Ich wankte zurück und sah unter den Traktor, und da lag er im Sägespäne-Haufen.
Tommelen er nå sydd på igjen.
Der Daumen ist wieder angenäht.FOTO: PRIVAT

Etter 15 minutter kom ambulansen. Stein fikk morfin og ambulansepersonellet tok bilder av tommelen. Etter hvert blir han flydd til Rikshospitalet hvor tommelen blir sydd på igjen.
Nach 15 Minuten kam der Krankenwagen. Stein bekam Morphin und die Sanitäter machten Bilder vom Daumen. Danach wurde er ins Rikshospital geflogen, wo der Daumen wieder angenäht wurde. (Anm.d.R.: Das Namdal liegt etwa 800 km nördlich von Oslo (200km nördlich Trondheim) am Atlantik. Die Patienten werden vom Unfallort mit dem Krankenwagen oder Hubschrauber (je nach Entfernung und Zeitaufwand) zum nächstgelegenen Flugplatz gebracht und dann mit einem Ambulanzjet nach Oslo geflogen und von dort mit dem Hubschrauber zum Rikshospital. Die Zeit zwischen der Amputation und dem Operationsbeginn sollte möglichst nicht über 6 Std. liegen, da sonst die Chancen, dass das amputierte Körperteil wieder anwächst deutlich sinken. Fast ganz Norwegen ist mit Rettungshubschraubern abgedeckt und an verschiedenen Stellen stehen die Ambulanzjets bereit. Dies ist notwendig, weil es zwar verschiedene Unikliniken im Land verteilt gibt, aber zum Beispiel zum Annähen von Fingern oder Händen die einzigen Ärzte die es können in Oslo sind. Es gibt einfach nicht genug Spezialisten die so etwas können.

34 naboer stilte opp – 34 Nachbarn traten an

Mens han og kona var på Rikshospitalet mobiliserte naboene til dugnad, for huset var langt fra ferdigmalt.
Während er und seine Frau im Rikshospital waren mobilisierten die Nachbarn eine Dugnad (siehe Erklärung oben), denn das Haus war lange davon entfernt, fertig gestrichen zu sein.
– Vi hadde sendt meldinger på Snapchat eller Facebook om at vi holdt på å male huset grått.
– Wir schickten ihm Bilder und Nachrichten über Snapchat und Facebook um ihm auf dem Laufenden zu halten, während wir sein Haus grau fertig malten. (Anm. d.R.: „Grau“ ist hier leider gerade eine Modefarbe für Häuser… 😉 )
Dette hadde blant annet Turid Finne fått med seg.
Das hatte unter anderem Turid Finne organisiert.
– Hun trommet sammen en gjeng på 34 personer som malte huset.
– Sie trommelte 34 Personen zusammen die das Haus fertig malten.
Stein blir tydelig rørt når han får spørsmål om hva han synes om naboenes innsats.
Stein war sehr gerührt, als er gefragt wurde, was er von dem Einsatz der Nachbarn hielt.
– Det er helt rått. Jeg har egentlig ikke ord på det.
– Das ist echt unglaublich. Ich wußte nicht was ich sagen soll.
– Det er godt å bo på Kolvereid for å si det sånn, legger han til.
– Es ist gut bei Kolvereid zu wohnen um es mal deutlich zu sagen, meinte er noch.
Han forlot et rødt hus, når han kommer tilbake er hele huset grått. Nå har han lagt en plan for hva han skal gjøre når han kommer hjem.
Er verließ ein rotes Haus (Anm.d.R.: Ich verstehe echt nicht wie man sich für Grau entscheiden kann… 😀 ), und wenn er zurück kommt ist das ganze Haus grau. Nun hat er sich überlegt, was er machen will, wenn er heimkommt.
– Jeg tror vi må ha en skikkelig hagefest.
– Ich glaube wir müssen ein schönes Gartenfest veranstalten.
Men det er ikke bare naboene Stein vil skryte av:
Aber es sind nicht nur die Nachbarn, die Stein rühmen will: 
– Det norske helsevesenet er helt fjell!
– Das norwegische Gesundheitswesen ist echt super!

 

Dem letzten Satz von Stein kann ich zwar nicht in allen Belangen zustimmen, aber auf jeden Fall in der Notfallversorgung. 

Was ist jetzt meine Aufgabe dabei: Die Patienten kommen nach der Operation zu uns auf Station. Wenn ein Finger/Hand/Arm wieder angenäht wurde ist eine kritische Phase von 8-10 Tagen zu überstehen. Während der Operation werden die Knochen, Venen und Arterien (Blutgefäße), Nerven, Sehnen und Muskeln und zum Schluss die Haut wieder zusammengenäht. Sehr wichtig ist dabei das gute funktionieren der Blutversorgung, damit das Gewebe nicht abstirbt. Das müssen wir hauptsächlich überprüfen. Dazu gehen wir 10 Tage lang JEDE Stunde zum Patienten, messen die Temperatur des Fingers, beobachten die Farbe des Fingers und die „Füllung“ mit Blut (drückt fest auf eine Stelle am Finger oder der Hand für ein paar Sekunden, lasst los: zuerst ist die Stelle gelblich (>blutarm) und wird (sollte zumindest) schnell wieder rosa bis rot werden – das ist die „Füllung“)
Im Idealfall ist die Temperatur über 33 °C, die Farbe rosa bis rot und die Füllung „normal“ (also innerhalb 1-2 sek wieder die gleiche Farbe). Fällt die Temperatur innerhalb einer Stunde um 1 ° C oder mehr, verändert sich die Farbe oder die Füllung funktioniert nicht wie sie soll, wird der diensthabende Arzt informiert, der dann entscheidet ob erneut operiert werden muss, ob einen weitere Operation nicht sinnvoll oder möglich ist, ob wir mit Heparin (Blutverdünnungsmittel) und „Fischmund“ (mit einem Skalpell wird ein Schlitz in die Fingerspitze geritzt, aus dem es idealerweise ständig leicht bluten sollte, das Heparin soll diese Wirkung verstärken) oder ob wir eine Blutegelbehandlung starten sollen. Bei der Blutegel Behandlung wird mit einer Nadel in den amputierten Finger gestochen und ein Blutegel an die Stelle gesetzt, dies soll dann 30-60 min saugen, dabei die Körpergröße ver- x- fachen und gibt währenddessen seinen Speichel in die Wunde ab, der die Durchblutung fördert. (Es ist gleichzeitig die Henkersmahlzeit, denn im Anschluss werden sie mittels kochendem Wasser getötet. Bis ein Blutegel, dass sich „satt“ gesaugt hat wieder hungrig wäre würden mehrere Monate vergehen, aus hygienischen Gründen, dürfen sie aber nur bei einem Patienten verwendet werden.)

Blutegelbehandlung

Blutegelbehandlung (bei einem ANDEREN Patienten!)

Mit den Blutegeln haben wir eine sehr gute Erfahrung gemacht. Hört der Finger auf zu bluten, wird das nächste Blutegel angesetzt. 
Erfolgsrate: Bei etwa 70% unserer Patienten wachsen die replantierten (=wieder angenähten) Körperteile wieder an. Bei den restlichen 30 % müssen sie leider amputiert werden, was an verschiedenen Gründen – Zeit zwischen der Amputation und Operation, anderen Erkrankungen wie Diabetes,… ; …. –  liegen kann.
Etwa 50-60% können sie danach auch wieder ganz oder teilweise benutzen und haben teilweise wieder Gefühl im Finger/Hand.

So, ich hoffe, das war ein bisschen interessant für euch.
Bis zum nächsten Artikel,

Euer Christian

 

What is a Fjord? – Was ist ein Fjord?

Liebe Leserinnen und Leser,
ich bin mal wieder über ein tolles Video gestolpert, welches ich euch unmöglich vorenthalten kann.
Es geht um die Frage was ein Fjord ist – abgesehen von einem Ort fantastischer und wunderschöner Natur.
Nun ich bediene mich mal der ausgefeilten Information der Seite http://de.fjordnorway.com/inspiration/was-ist-ein-fjord :

Die Region Fjordnorwegen verdankt ihren Namen den malerischen Fjorden, die das landschaftliche Bild Westnorwegens prägen. Aber was ist eigentlich ein Fjord? Und wie sind die Fjorde entstanden?

 

Ein Fjord ist ein tief ins Landinnere reichender, schmaler, langgestreckter Meeresarm, der an drei Seiten von Festland umgeben ist. An der Mündung zum Meer befindet sich zumeist eine Untiefe, die als Fjordschwelle bezeichnet wird. In geologischer Hinsicht sind echte Fjorde von ähnlichen Meeresbuchten aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte zu unterscheiden.

 

Fjorde entstehen durch Talgletscher, die durch bereits bestehende Flusstäler abwärts fließen. Durch die Bewegung der Eisdecke werden zahlreiche größere und kleinere Gesteinsbrocken mitgerissen, die das anstehende Gestein erodieren und dadurch das Flusstal allmählich vertiefen und verbreitern, sodass das Flusstal seine typische U-Form erhält. Am Ende des Gletschers lagert sich Gesteinsmaterial ab, das mit der Zeit eine wallartige Aufschüttung (Endmoräne) bildet. Das Abschmelzen der Gletscher am Ende der Eiszeit führte zu einem Anstieg des Meeresspiegels, sodass das Meer in die tiefen Täler einströmen konnte. An der Fjordmündung bildete die Endmoräne eine unterseeische Schwelle, die in der Regel nur einen Bruchteil der Wassertiefe im Inneren des Fjords erreichte.

 

Aufgrund der seichten Fjordmündung weisen Fjorde im Vergleich zum offenen Meer zumeist einen geringeren Wellengang auf. Durch ihre Ausprägungen mit einer eingeschlossenen Wasserfläche sind die meisten Fjorde daher besonders gut als Anker- und Liegeplatz für Schiffe geeignet.

 

Das Wort Fjord ist eines der wenigen norwegischen Wörter, das in mehrere europäische Sprachen Eingang gefunden hat. Der Begriff Fjord stammt vom altnordischen fjorðr ab, das auf das urindogermanische *pr?tús zurückgeht. Dieses Wort dürfte von der Verbalwurzel *per- abgeleitet sein, die die Bedeutung «hinüberbringen, überbringen» hatte. Das Wort Fjord, das ursprünglich also «Furt» bedeutete, hat den gleichen Ursprung wie die deutschen Wörter «Furt» und «fahren» oder das englische «ferry».

 

Der längste Fjord der Welt ist der Scoresbysund in Grönland, der eine Gesamtlänge von 350 km aufweist. In der Region Vestlandet sind dagegen sowohl der zweitlängste als auch der drittlängste Fjord der Welt zu finden: Der Sognefjord (204 km) und der Hardangerfjord (179 km).

 

Die Geschichte Fjordnorwegens ist in vielerlei Hinsicht eng mit dem Wasser verbunden. Die bis zu 3 km dicken Eismassen, die das Festland während den verschiedenen Eiszeiten bedeckten, schufen die Fjorde und gaben dadurch der Landschaft ihr charakteristisches Aussehen. Wer am Ufer des schmalsten Fjordes der Welt, dem Nærøyfjord, steht und zu den Berggipfeln hinaufblickt, kann die gewaltigen Naturkräfte erahnen, die hier am Werk gewesen sind. Wer in Fjordnorwegen unterwegs ist, reist im Kielwasser der Handelsschiffe und Fischerboote, die die Fjorde seit tausenden von Jahren befahren. Der Großteil der malerischen Landschaft ist unverändert geblieben, seit die Wikinger die Segel hissten und zu fernen Ufern aufbrachen.

Aber genug der Theorie: Seht selbst mit euren Augen was ein Fjord ist:

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein

Polarlicht Videoclip

Hei, alle sammen, 

Ein gutes neues Jahr wünsche ich euch allen!

Hier ist ein Videoclip mit gaaanzz viel Polarlicht – im All! Aufgenommen von der ISS: 5 min zum Genießen! 

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte 

Liebe Leserinnen und Leser, 

Ich bin gerade über den aktuellen Blog-Eintrag von Kapitän Schwandt (mehr Informationen zu ihm am Ende des Artikels) gestolpert. Eine sehr eindrückliche Version der Weihnachtsgeschichte an der ich euch teilhaben lassen will:
Kapitän Schwandt
Deutscher Kapitän und Kolumnist

Meine Version der Weihnachtsgeschichte
Es begab sich zu jener Zeit, da ein böser Mann namens Assad Statthalter von Syrien war, dass sich der Zimmermann Joseph mit seinem schwangeren Weibe Maria auf den Weg machte.

Doch es war kein sicheres Land und die Familie begab sich auf die Flucht nach Germanien. Sie heuerten einen des Weges kundigen Schlepper an und entlohnten ihn mit Schaffellen, Widderhörnern und selbstgemachtem Käse.

Es wurde eine sehr beschwerliche Reise durch die winterlichen Felder, nur mit Sandalen und einem leichten Tuch bekleidet. An der Grenze zur Provinz Mazedonien wurden sie aufgehalten von einem Zaun aus Nato-Stacheldraht.

Da sein Weib nun gebären sollte, verkrochen sie sich in eine Erdhöhle. Maria gebar einen Sohn und nannte ihn Jesus. Mitarbeiter einer UNO-Hilfsorganisation beschafften eine Krippe und Unterkunft in einem Stall, in dem Rind und Esel lebten, damit das Kind nicht erfriere.

Der dritte König? Ertrunken

Da geschah ein Wunder: ein heller Stern mit dem Schweif eines Kometen erschien über ihnen. Bei näherer Betrachtung handelte es sich um Leuchtspurmunition, die während der Ausschreitungen an der Grenze abgeschossen worden war. Einige Hirten und zwei Könige erschienen im Stall. Sie brachten Myrrhe und Weihrauch mit und erzählten, dass der dritte König während der Überfahrt über das Mittelmeer ertrunken war.

Joseph hatte Angst um seine Familie und bat die Hirten, ihm einen Weg nach Germanien zu weisen. Der Herr hielt seine schützende Hand über sie. An der Grenze zu Germanien stellten sie einen Asylantrag und wurden in einem Erstaufnahmelager, in einer Turnhalle, untergebracht.

„Germanien den Germanen“

Dort herrschten chaotische Zustände, sämtliche Sprachen Babyloniens erzeugten eine Kakophonie von Lauten. Um ihr Kind zu stillen, zog sich Maria ihr Tuch über den Körper. Nach drei langen Monaten wurden sie in einer Flüchtlingsunterkunft in ein bescheidenes Zimmer eingewiesen. Sie atmeten auf und fühlten sich geborgen. Doch wen der Herr liebt, den prüft er.

Eines Nachts wurden sie wach durch Feuer, Rauch und laute Schreie. Das Haus brannte, ein grölender Mob applaudierte und skandierte „Flüchtlinge raus! Germanien den Germanen.“ Joseph fragte einen anderen Heimbewohner, was dies zu bedeuten habe. „Das sind NPD und Pegida“, erklärte man ihm. „Sie sind gegen die Islamisierung des Abendlandes.“
Joseph verstand nicht, was er meinte. In den nächsten Tagen bezog der Sicherheitsdienst „Drei Könige“ eine Wache neben der Unterkunft, und die Familie fühlte sich ein wenig sicherer.

Liebe Leser: Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein schönes – und vielleicht auch nachdenkliches – Weihnachtsfest.
Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg. 

Publizistische Tätigkeit

Jürgen Schwandt ist als Kolumnist für die Hamburger Morgenpost und den Ankerherz-Verlag tätig. Außerdem betätigt er sich intensiv auf der Social-Media-Plattform Facebook als Blogger mit über 140.000 Anhängern.
Inhalt seiner Kolumnen und Postings ist, neben seinen Seefahrer-Geschichten, vor allem der Kampf gegen Fremdenhass und Rechtspopulismus.
„Auf meinen Reisen habe ich überall auf der Welt gute Menschen kennengelernt. Und auch ein paar Arschgeigen. Das hat nichts mit Hautfarbe, Pass oder Religion zu tun.“

– Jürgen Schwandt

Diese Kolumne ist Teil des Buchs Klare Kante, das die besten Kolumnen von Kapitän Schwandt sammelt. 

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein

God Jul og godt nytt År 2017! Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017! 

Liebe Leserinnen und Leser, Freunde, Verwandte und Bekannte,

Ich wünsche euch ein friedliches, frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr 2017!

Angesichts der letzten Tage und Monate mit Anschlägen, aber vor allem dem Erstarken von rechts-populistischen Meinungen und Parteien, mit der Zunahme von Hass und Gewalt, hoffe ich, dass die Vernunft im Menschen, bzw. die vernünftigen Menschen weiterhin beisammen stehen und wir gemeinsam verhindern, dass die Welt den Bach runter geht! Vieles erinnert leider an die Zeit vor 1933 und ich hoffe doch inständig, dass wir so etwas nicht mehr wieder durchleben müssen. 

Alles Gute, 

euer Christian

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein

Sehr amüsanter Artikel zum „Kampf der Sprachen“ im Hirn

Hei liebe Freunde, Verwandte und LeserInnen,

weil Ulrike med denne artikelen mir out of my heart spricht, will ich euch ihr neuestes Werk nicht vorenthalten. Ulrike ist eine gute Freundin hier in Oslo leitet die Theatergruppe und ist SEHR schreibbegabt! Jeden Freitag (alleine dafür hast du schon meine Bewunderung) kommt ein neuer Artikel in ihrem Blog zum Vorschein, und der heutige gibt genau die Zustände an die auch in meinem Hirn herrschen, seid ich es auch mit norwegisch versuche. Aber nun viel Spaß beim Lesen und viele Grüße aus Oslo: (und verzeiht wenn ich mal norwegische Brocken in unsere Unterhaltungen einbaue…)

(Hier ist der Link zum Original: https://neuesausnorwegen.com/2016/11/18/willkommen-in-meinem-sprachzentrum-oder-was-will-die-denn-hier/ )

Willkommen in meinem Sprachzentrum! ODER „Was will DIE denn hier?“

Betyr, betydde, har betyddet…neiiiiin…har betYDD! Ligger, la, nein, lå, har ligget…Ingen drømmer om Oslo…Aftenposten…Norsklab lytte, øve 3…bør Norge tillate oljeboring utenfor Lofoten? Alle sammen: Ja, vi elsker dette landet!

Hallo, meine lieben Leser, ich hoffe, mein Deutsch reicht noch aus für diesen Blog! Momentan ist mein Hirn gefüllt mit norwegischen Texten, Verben, Adjektiven, Themen und Kinderliedern und langsam frage ich mich, wie Deutsch sich da oben noch verteidigen kann. Meine arme Muttersprache: Seit über 40 Jahren ist sie zwar Chefin im Sprachzentrum, muss aber permanent Besitzansprüche ausländischer Eindringlinge abwehren. Nach zähem, jahrelangem Kampf hat Englisch einen dauerhaften Platz erobert and nowadays is my brain able to switch zwischen these beiden languages ohne große problems. Für einige Jahre versuchte Französisch eine Teil des Zentrums zu besetzen, aber die beiden Germanen verbündeten sich gegen die Romanische, knebelten die Schöne und schubsten sie, zack, in eine dunkle Ecke.

Als Norwegisch um die Ecke kam, lehnten sich Deutsch und Englisch daher gemütlich auf ihren Hirnwindungen zurück und beachteten den Neueindringling kaum:

“Da ist ne Neue.”

“Yeah, well, whatever.”

“Hört sich lustig an.”

“Sounds like your sister or nephew. Cousin maybe.”

“C’est norvegienne!”

“Halt die Klappe, Französisch, wer hat dich denn gefragt?”

“Mais…”

“Shut it, frog leg!”

“God morgen! Hvordan går det med dere?”

“—?”

“Raus!”

Aber das Norwegisch ist zäh. Und ich bin auch zäh. Gemeinsam arbeiten wir an ihrem angemessenen Platz im Sprachzentrum. Deutsch zickt zwar rum und Englisch lacht höhnisch, aber nach und nach sehen sie ein, dass die Neue bleiben wird. Und die ist auch ganz schön frech und kickt einfach mal ein englisches oder deutsches Wort aus dem Alltagssprachgebrauch. Statt “busy” bin ich plötzlich “travelt” und schmiere mir “leverpostei” statt “Leberwurst” aufs Brot.

Wie ich in einer neuen Wohnung scheint sich die Neue im Sprachzentrum gemütlich einzurichten: Hier ein paar moderne Adjektive, dort ein buntes Kinderlied, hier vorne ein norwegisches Sprichwort und wenn das Deutsch weiter rummeckert, bekommt es einen gepfefferten Fluch aus Nord-Norwegen um die Buchstaben geknallt. Gemeinsam entdecken wir norwegische Autoren (gerade: Ola Jostein Jørgensen “Ingen drømmer om Oslo”) und norwegische TV-Serien (zum Brüllen: “Side ved side” auf NRK).

Englisch wird manchmal eifersüchtig, fürchtet es doch, and not without reason, um seine dauerhafte Stellung. Aber, no worries, friend, ich spreche viel zu gern Englisch, als dass ich dich vergessen würde. Deutsch ist sich ihrer Sache sicher, zuckt nur manchmal zusammen, wenn ich mit Gesa Norwegisch spreche. Aber keine Angst, Muttersprache, von dir trenne ich mich ganz bestimmt nicht! (Jetzt, hier beim Schreiben ist sie natürlich wieder total obenauf…ich könnte allerdings…hva tenker du: Skal jeg skrive bloggen på Norsk? Or should I maybe write in english?…hihihihi, ich merke direkt, wie Deutsch zittert!!!)

Ihr seht also, in meinem Kopf ist ganz schön was los und ich bin gespannt, wie die drei sich da oben arrangieren werden, ob Französisch sich mal wieder aus der Ecke traut und ob ich nächstes Jahr vielleicht noch eine andere Sprache…

“NEIN!”

“NO!”

“NON!”

“NEI!”

…anscheinend nicht.

***

So, das war es schon für heute, liebe Leser! Ich werde zurückkehren zu meinen Aufgaben; noch zwei Wochen bis zur Prüfung, mal sehen, wie es läuft. Das Ergebnis bekomme ich erst im Januar, aber ich bin mal ganz optimistisch und drücke an dieser Stelle auch allen Mitprüflingen ganz fest die Daumen!

Morgen gibt es erstmal etwas Abwechslung: Die deutsche Gemeinde veranstaltet Samstag und Sonntag von 11/12h – 16h den jährlichen Christkindlesmarkt. Stollen, Silberschmuck, selbstgestrickte Handschuhe und viele andere Dinge werden angeboten, dazu gibt es ein riesiges Kuchenbüffet und im Keller von 13-15h die Lebkuchenwerkstatt für Kleine und Große!! Kommt zahlreich! Meine wöchentlichen Grüße gehen dieses Mal an das tolle Team hinter dem Christkindlesmarkt, die Jahr für Jahr mit viel Energie, guter Laune und Leidenschaft den Markt organisieren und durchführen. Diese Woche also die dicksten Grüße an Christel, Gisela, Edith, Angelika, Gabriele und Kerstin und an alle freiwilligen Helfer. Ihr seid super!

Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, meine Mutter ist noch bis Dienstag da, das ist so schön! Sammelt Eure Lieben mal um Euch und genießt die düstere Novemberzeit gemeinsam mit vielen Kerzen, viel Schokolade und viel Lachen!

Ha det,

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Ulrike

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein