„Du siehst mich“ – Ein Fest – Reformationskirchentag in Berlin und Wittenberg

Liebe Leserinnen und Leser,

Meine Begeisterung für Kirchentage konntet ihr ja schon kürzlich in dem Artikel über den 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) 2015 in Stuttgart lesen (hier der Link zum nachlesen:  „damit wir Klug werden“ – 35. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Stuttgart 2015
Dieses mal lasse ich euch nicht 2 Jahre warten und möchte euch an meinen Erlebnissen und der Freude über den 36. DEKT in Berlin und Wittenberg 2017 teilhaben lassen – schließlich ist es ein besonderer Kirchentag: Der Kirchentag zum 500. Jubiläum der Reformation, die in Wittenberg mit dem Thesenanschlag Martin Luthers (ja, ich weiß, historisch etwas ungenau) begonnen hat.

Ich hatte mir dieses Mal etwas mehr Zeit für die Stadt des Kirchentages genommen. Dank der Eltern eines guten Freundes hatte ich die Möglichkeit während ihrer Abwesenheit ihre Wohnung nutzen zu können – mitten in (West-)Berlin am Hohenzollerndamm. Diese Innenstadtnähe ermöglichte mir einen sehr angenehmen und entspannten Kirchentag (kein Mitschleppen schwerer Rucksäcke mit viel Inhalt). Und mein Bruder Martin – der sich kurzfristig zur Teilnahme am Kirchentag entschieden hat – konnte auch noch dort mit übernachten. Meine Anreise erfolgte schon am Sonntag vorher mit einer gemütlichen Fahrt durch Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt nach Berlin. Nach einem sehr guten Wildschweinbraten auf Schloss Burgk in Thüringen

war ein erster Besuch in der Lutherstadt Wittenberg mein nächstes Ziel, wo gerade die WELTAUSSTELLUNG REFORMATION eröffnet worden war. Den Nachmittag nutzte ich aber erstmal zum Spaziergang durch die wundervoll hergerichtete Wittenberger Altstadt.

Am Montag habe ich mir ein Berlin Mitte mit dem Fernsehturm am Alex angedeihen lassen und inkl. eines Mittagessens am Arbeitsplatz meines Cousins Volker mit exklusiver Führung durch das Auswärtige Amt.

Den Dienstag habe ich mir für die Internationale Gartenausstellung in Berlin-Marzahn ausgewählt und diese dann auch bei schönstem Sommerwetter genießen können. Neben einem (für mich als Landschaftsgärtner sowieso) sehr interessanten Gartenpark, habe ich dort auch das beste Fruchteis meines Lebens gegessen: Ananas mit Thaibasilikum 🙂 – leider habe ich es seitdem nicht mehr gefunden… 😦

Am Mittwoch begann dann das Fest mit dem Eröffnungsgottesdienst, den Martin und ich auf der Wiese vor dem Reichstag erlebten, was schon sehr beeindruckend ist. Im Anschluss gab es ansprachen u.a. von Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert. Beim Abend der Begegnung in Berlin Mitte konnte man viele Spezialitäten aus der Region genießen, präsentiert von den Kirchengemeinden und anderen Vereinen und Musik auf verschiedenen Bühnen erleben. Den Abschluss bildete der Abendsegen vor dem Brandenburger Tor.

Was diesmal anders war am Kirchentag waren die Taschen- und Rucksackkontrollen vor den Großveranstaltungen und die größere Anzahl an bewaffneten Polizisten. Leider muss auch bei einem friedlichen Treffen wie dem Kirchentag der Bedrohung durch Terroristen Rechnung geschuldet werden.

Am Donnerstag fand dann vormittags mein persönliches Highlight des Kirchentages statt: die Podiumsdiskussion mit dem 44. US Präsidenten Barak Obama und Kanzlerin Angela Merkel. Martin und ich waren schon zur Bibelarbeit dort – allerdings auch um einigermaßen gute Plätze zu bekommen. Dummerweise kamen ein paar weitere Menschen auch auf die Idee sich dieses Ereignis nicht entgehen zu lassen: circa 75.000 Besucher ist auch am Kirchentag eine ungewöhnlich hohe Zahl an Teilnehmern bei nur einer Veranstaltung. Beim OpenAir Konzert der Wise Guys am Kirchentag in Köln 2007 waren es noch 2000 mehr. Aber zurück zu Obama: Das Publikum hat er gleich am Anfang „gehabt“: „First of all: Guten Tag! Schön, in Berlin zu sein“… Ok, nicht gerade „Ick bin ein Berliner“, aber es kam sehr gut an… 😉    Obama und Merkel auf dem DEKT 2017 in Berlin

In den folgenden 90 min ging es um die Weltpolitik, die Flüchtlinge, Gewalt, Krisen und Krieg und Frieden. In der ersten Hälfte kamen die Fragen und Moderation von Kirchentagspräsidentin Christina aus der Au und dem Ratsvorsitzenden der Ev.Kirche in Deutschland Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Im 2.Teil waren vier jungen Menschen aufgefordert die Fragen zu stellen, teilweise auch unangenehme Fragen. Interessant fand ich Obamas Antwort auf die Frage wie er damit leben könne als Christ, dass bei den vielen Drohnenangriffen viele Zivilisten umkamen: Obama sagte, dass die Drohnen Attacken es häufig unnötig gemacht hätten mit Bodentruppen einzugreifen. „Boden“Kriege würden viel mehr zivile Opfer fordern, aber es würde weniger über diese berichtet werden als über die Opfer von Drohnenangriffen. Z.B: hätten die Drohnenangriffe den Völkermord des IS an der Religionsgruppe der Jessiden im Nordirak gestoppt. Das macht zwar Kriege nicht besser, aber ich finde es zumindest einen sehr interessanten Ansatz!

Am Nachmittag haben wir im Berliner Dom eine sehr Interessante Diskussion zum Thema Kirche und Internet und Datenschutz verfolgt: #guckstduhier – Das Netz – unendliche Freiheit, gesteigerte Angst. Prominent besetzt mit u.a. dem Grünen-Politiker Konstantin von Notz und Dr. Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der EKD und anderen.

Abends das 2. Highlight: das letzte Open Air Konzert der A-Capella Band „Wise Guys“ an einem Kirchentag vor dem Brandenburger Tor. Leider hat sich die Band im Sommer aufgelöst. Dieses wundervolle Konzert wollten sich 50000 nicht entgehen lassen.

Am Freitag war ich dann mit leichter Verspätung auf der Messe Berlin bei einer Dialogbibelarbeit von Ratsvorsitzendem der EKD Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Marx
und anschließend kurz am Markt der Möglichkeiten unterwegs und beim Kabarett „Viva la Reformation! Best of CSU – der christliche satirischen Unterhaltung. Pfarrer Maybach-Mengede hat die Reformation und das aktuelle Tagesgeschehen sehr schön in Satire und Spitzen gegen Politiker, Religion und Fanatiker verpackt.

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Best of CSU

Dazwischen muss auch immer mal etwas Entspannung sein, in diesem Fall ein Besuch im Zoo. (Leider noch ohne Pandabären, die kamen erst im Juli)
Der Samstag war wieder für den Markt der Möglichkeiten reserviert. Es ist unglaublich wie viel verschiedene Themen dort behandelt werden. Man findet eigentlich zu allem etwas was irgendwie mit Kirche zu tun haben könnten. Verlage mit christlicher Literatur, Parteien, Vereine, sogar die Bundeswehr und das Bundesamt für Strahlenschutz sind vertreten, ebenso wie konservative Verbände und Verbände für Gleichberechtigung, Homosexualität, ….. einfach alles. Sogar Atheistische Verbände… 🙂

Am Abend waren wir bei Bodo Wartke, seines Zeichens Klavier-Kabarettist: „Was, wenn doch?“ Klavierkabarett in Reimkultur. Er ging einfachen Fragen gesanglich und kritisch auf den Grund: Was treibt uns an? Wieso fällt es uns schwer, Wandel als Chance anzunehmen? Warum handeln wir aus Angst anstatt aus Liebe? Eines seiner Lieder lautet „Nicht in meinem Namen“ ( Bodo Warthke – Nicht in meinem Namen ) – darin verarbeitet und verurteilt er Fanatiker jeglicher Couleur.  Spitzenklasse! Als Gast hatte er Fee Badenius dabei, die nicht minder begabt ist und ebenso fantastische Lieder schreibt: Fee Badenius – Fleischeslust

Der Abendsegen bei schönstem Sommerabendwetter im Park der Messe war ein sehr schöner Abschluss des Berliner Teils des Kirchentages.
Am Sonntag wartete der Kirchentag dann mit einer Besonderheit auf: dem großen Festgottesdienst auf den Elbwiesen in der Lutherstadt Wittenberg. 120-150T Menschen kamen mit der Bahn, Bus und dem Auto von Berlin nach Wittenberg um gemeinsam den Kirchentag und die Reformation zu feiern. Die Anreise gestaltete sich etwas schwieriger, da gleichzeitig auch die Fussball Fans vom Pokalfinale auf die Idee Kameen nach Hause zu fahren 😦 Vor Ort war aber ein guter Shuttleservice vom Parkplatz zur Festwiese eingerichtet. Nur der Fussweg auf dem letzten Kilometer hätte kürzer ausfallen müssen (Nicht wirklich für ältere Menschen oder Gehbehinderte geeignet)
Mit etwas Verspätung kamen wir dann beim Gottesdienst an und konnten die sehr eindrückliche Predigt vom südafrikanischen Bischof Thabo Makgoba noch erleben. Nach einigen Grußworten – u.a. von Bundespräsident Steinmeier – und der Einladung zum Deutschen Katholikentag 2018 und dem nächsten Evang. Kirchentag in Dortmund 2019 konnten dann alle die noch Zeit und Lust hatten zusammen bei einem Reformationspicknick den schönen Sonntag genießen, Theater, Kleinkunst und Musik erleben. Dieser gemütliche und stressfreie Ausklang war ein ganz besonderes Erlebnis. Für mehr Interesse: ein Link zum Festgottesdienst Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum 2017
Ich hatte ja noch Urlaub und habe am Montag die Weltausstellung Reformation in Wittenberg besucht und mir ausführlich zu Gemüte geführt. Rund um die herausgeputzte Altstadt von Wittenberg war von Mai bis September ein buntes Programm rund um das Reformationsjubiläum geboten: Meine Highlights: die Lichtkirche (eine Holzkirche mit bunten Glasfenstern durch die sich die Sonne bricht und eine Farbenwelt hervorzaubert, die Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ im ehemaligen Stasi-Gefängnis haben 95 Künstler die Zellen gestaltet mit verschiedenen Dingen die ihnen zur Reformation und Kirche einfielen. V. a. aber das riesengroße 360° Panoramakunstwerk „Luther 1517 – Glaube, Wissen, Selbstbestimmung“ vom Künstler Yadegar Asisi. Es zeigt das Mittelalterliche Leben 1517 in Wittenberg, samt Luther, der gegen die Ablässe predigt, Kurfürst Friedrich der mit seinem Gefolge nach Wittenberg reitet, Hexenverbrennung, Markttreiben, etc.
In einem alten Gasometer ist dieses 15 x 75 Meter große Kunstwerk an der Wand zu sehen. Man selber steht erhöht in der Mitte und lässt es auf sich wirken. Durch Lautsprecher ertönen die Reden und Geräusche von damals und nach einiger Zeit fühlt man sich selber wie mittendrin. Wer das nicht sehen konnte während der Weltausstellung hat noch bis 2021 Zeit es auf sich wirken zu lassen. Es lohnt sich wirklich – ich war wie gefesselt von diesem Panorama! Bis 2021 könnt ihr das noch ansehen! Asisi Panorama in Wittenberg
Beim weitern Rundgang durch die Wallanlagen um Wittenberg kommt man an der Schlosskirchen mit Thesenanschlag vorbei zum Bayerischen Garten. Hier ist eine „Krippe“ aus 2017 Holzlatten aufgebaut. Schaut man in die X-förmige Krippe, sieht man in einen Spiegel und kann den Himmel auf sich wirken lassen. Je bei der richtigen Zahl der Holzlatten sind an der Wand dahinter bedeutende Ereignisse der Geschichte verzeichnet von Christi Geburt (vor Holzlatte 1) über den Thesenanschlag (Nr. 1517) bis heute.
Abschließen konnte man den Rundgang mit einer Fahrt im Riesenrad oder einem Gang über die Himmelspfade auf dem Bunkerberg (Verspiegelte Stege die dort einen kleinen Ausblick ermöglichen)
Alle interessanten Infos zum Reformationsjubiläum unter  r2017.org   und zum Kirchentag findet ihr in diesen Links: Kirchentag.de

Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Jahr die Möglichkeit hatte zum Reformationsjubiläum  den Kirchentag und die Weltausstellung so intensiv erleben zu dürfen.

Wir sehen uns vom 19.-23. Juni 2019 in Dortmund zum 37. Evangelischen Kirchentag –

So Gott will und wir leben!

 

 

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein

Ein Kommentar zu “„Du siehst mich“ – Ein Fest – Reformationskirchentag in Berlin und Wittenberg

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