Weihnachtsrundbrief 2012

Liebe Freunde und Verwandte,

bei uns in der Familie ist es Tradition, dass wir in einem (Weihnachts-) Rundbrief jedes Jahr die Interessantesten Neuigkeiten aufschreiben. Dieser wird dann vor Weihnachten an viele verschickt. Meine Mutter hat sich als Motto dieses Jahr „Veränderung“ überlegt, was mir sehr entgegenkam. Hier kommt nun mein Teil daraus für das Jahr 2012:

Veränderung – da steht für mich nun doch eine gewaltige an: ich werde zwischen Weihnachten und Silvester nach Oslo (Norwegen) umziehen, um dort am 2.Januar 2013 meine neue Stelle im Rikshospital anzutreten. Ich werde auf einer chirurgischen Station arbeiten – Schwerpunkt: Plastische Unfallchirurgie, Rücken- und Handchirurgie und Orthopädie – mit 18 Betten; davon sind 5 sogenannte „Intermediatcare“ Plätze, dh. Betten, die mit Überwachungsmonitoren ausgestattet sind. Das Rikshospital (Reichskrankenhaus)– Norwegen ist ja ein Königreich mit Harald V. als derzeitigem Regenten ist die zweitgrößte Osloer Universitätsklinik. Sie liegt am Fuß des Holmenkollen – ein Berg, der vielen durch die markante Skisprungschanze und von dortigen Wintersportereignissen ein Begriff sein dürfte.

Wie bin ich zu dieser Veränderung gekommen? Im September hatte ich dort auf der Hals-Nasen-Ohren-Station ein zweiwöchiges Praktikum absolviert, um meine Sprachfähigkeiten zu verbessern. Das klappte so gut, dass gleich die erste Bewerbung danach zum Erfolg führte. Davor hatte ich einige Bewerbungen 2011 und 2012 nach Trondheim und Tromsö geschickt, die leider erfolglos blieben, teilweise mit dem Hinweis, dass meine Norwegisch-Kenntnisse noch nicht ausreichend seien, obwohl ich seit 2006 an der Erlanger VHS einen Sprachkurs besuche. Im Land lernt man die Sprache doch am besten. Die Erfahrung hatte ich schon mit Englisch als ich 1995 sechs interessante und schöne Wochen in den USA bei Quinlan’s verbracht habe. Inzwischen weiß ich auch, dass erfolgreiche Bewerbungen am besten über ein spezielles Internet-Portal einzureichen sind.

An das Praktikum bin ich über Facebook gekommen. Dort schrieb ich einer Bekannten aus dem Norwegisch-Kurs, die sich schon Mitte 2011 beruflich nach Oslo verändert hatte, und fragte nach ob sie jemanden wisse der mir ein Praktikum vermitteln könne. Glücklicherweise hatte sie bei der deutsch-norwegischen Gesellschaft in Oslo kurz zuvor einen Oberarzt der HNO kennengelernt, der mir nach Kontaktaufnahme innerhalb weniger Tage das Praktikum ermöglicht hat.

Am 1.9. bin ich dann etwas nervös nach Oslo geflogen und wurde mit wunderbarem Wetter begrüßt. Vom 3.-16.9. bin ich dann auf der Sengepost (Bettenstation) der Øre-nese-hals-avdeling (Ratet mal was das heißt!) ‚mitgelaufen‘ und habe vom dortigen Arbeitsalltag erste positive Eindrücke gesammelt. Meine Kolleginnen und die Patienten waren von Anfang an sehr freundlich und haben sich auch meistens bemüht, langsam und deutlich mit mir zu sprechen. Wenn ich was nicht verstanden habe, erklärten sie es mir auf Englisch. Und die Patienten haben ihre „Deutsch-Brocken“ rausgeholt. Etwas zu meiner Verwunderung wurden meine Sprachfähigkeiten gleich gelobt. Gerade bei den Privatgesprächen der Kolleginnen fiel mir das Verstehen des Inhaltes zuerst wegen der Schnelligkeit sehr schwer, aber in der 2. Woche habe ich auch davon zunehmend mehr verstanden.  Etwas problematisch sind für Anfänger auch die Besonderheiten der norwegischen Sprache. In den vier Tagen nach dem Praktikum bis zur Rückreise habe ich mich dann auf die freie Stelle der benachbarten Orthopädischen Station beworben. Ein Termin mit der „Avdelingsleder“ (=Stations- bzw. AbteilungsleiterIn) klappte leider nicht mehr. Zu meiner Überraschung bekam ich eine Woche nach meiner Rückkehr schon eine telefonische Anfrage, wann ich zum Bewerbungsgespräch kommen könne. Ich sagte der Stationsleiterin, dass ich erst einen Flug suchen müsse, worauf sie überrascht erwiderte: „Ich dachte, sie sind noch in Oslo.“ J Nach dem Bewerbungsgespräch (zu 80-90% auf Norwegisch) habe ich 2 Tage später schon die Zusage bekommen. Jetzt bin ich auf Wohnungsuche, und dann kann es losgehen.

Während des Praktikums habe ich in der Jugendherberge „Haraldsheim“ in einem 4er Zimmer übernachtet, was mich dazu animiert 🙂 hat, möglichst viel Zeit in Oslo, auf dem Fjord oder in der freien Natur zu verbringen. Dabei habe ich viel Schönes erlebt: Gospelkonzert in Drammen, Spätsommerwetter auf den kleinen Fjordinseln, Flugshow zum Jubiläum 100 Jahre Norweg. Luftwaffe, Vortrag über Wikingerausgrabungen der dt.-norw. Gesellschaft,… Dazu beigetragen hat das günstige Monatsticket (80€ für den Nahverkehr inkl. Fjordfähren im Gesamtraum Oslo – und Oslo ist flächenmäßig 4x so groß wie Paris bei nur ¼ der Einwohner!), das überwiegend schöne Wetter und die Tatsache, dass ich nach einer Schicht im Norwegischen Krankenhaus nicht 1-2 Stunden zum Regenerieren brauche, wie hier in Deutschland. Während der Woche sind auf der HNO-Station 8 Pflegekräfte im Früh-, 6 im Spät- und drei im Nachtdienst anwesend und kümmern sich um die max. 25 Patienten. Auf der Orthopädie dürfte es ähnlich sein. Alle, die sich in unserem Gesundheitswesen auskennen, wissen, dass das traumhafte Verhältnisse sind. Das relativ stressfreie Arbeiten wird wohl die schönste Veränderung. Natürlich ist mir klar, das Oslo als teuerste Hauptstadt der Welt gilt, aber das gleicht sich mit dem entsprechendem Gehalt wieder aus. Teuer sind v.a. Mieten, Essen gehen, Alkohol. Ähnlich oder etwas teurer sind Klamotten, Schuhe, Kultur, Lebensmittel, Benzin. Billiger ist der Nahverkehr. Und um mal gleich weitere Vorurteile auszuräumen: in Norwegen ist es dunkel und kalt und es regnet immerzu. Sonnenscheindauer ist in Oslo am 21.12. von 9:15 – 15:16 Uhr und am 21.6. von 3:50 – 22:48 Uhr (>>Google: Blaue Stunde Rechner!) und das Klima ist stark maritim geprägt mit milden Wintern und angenehmen Sommern.

Wie ihr lesen könnt, kommen auf mich umfangreiche Veränderungen zu, von denen ich sicher in den nächsten Jahren viel berichten kann. Unter https://flyttetilnorge.wordpress.com werde ich meine Erfahrungen und Erlebnisse aufschreiben und Fotos hochladen. PS: Falls jemand ab Januar in Oslo einen Ansprechpartner sucht, könnt ihr gerne auf mich zurückgreifen – Anmeldung vorher erwünscht, auch um Wein-, … -bestellungen aufzugeben. 

Ich wünsche euch allen „God Jul 2012 og Gott nytt År 2013“ {sprich „Guu Jül och gott nütt Aar“}

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