Polarkreis, Lofoten und der erste Herbststurm im Eismeer 

So, nachdem gestern Abend der Akku leer war und das Netz häufig schlechte Verbindung hat, schreibe ich in mehreren Etappen weiter.

Hei liebe Leserinnen und Leser, 

am Sonntag haben wir Trondheim mit dem Bus erkundet – bei einigermaßen akzeptablen Wetter. Der Nidarosdom (Norwegens einzige richtige Kathedrale) und die alten Hafenhäuser in bunten Farben bieten ein eindrucksvolles Bild. Dazu die kleine Klosterinsel Munkholmen vor der Stadt. Die Vorbeifahrt daran haben ich aus dem 38° warmen Whirlpool an Deck verfolgt. 

Entlang der rauhen norwegischen Küste, die alle paar Minuten mit neuen Facetten, Formen und Farben brilliert, ging es weiter Richtung Bodø, einer kleinen Stadt kurz vor den Lofoten. 

Dabei überquerten wir vorgestern Früh den Polarkreis bei sechsten 66′ 33″ nördlicher Breite. Anschließend gab es durch den Captain und „König Neptun“ die „Polar-Taufe“ : eine große Kelle Eiswürfel-Wasser in den Nacken gekippt und natürlich als Belohnung ein Schnaps hinterher. 😉 ,und noch eine Urkunde.

In Bodø habe ich das Luftfahrtmuseum besichtigt und anschließend ging’s ein Stück übers offene Meer mit ganz schön hohen Wellen zu den Lofoten – einer – zumindest bei Tageslicht- wundervollen Inselkette, die in den Atlantik hineinragt. Bei Dunkelheit war davon aber leider nicht viel zu sehen. Aber das ändert sich hoffentlich auf der Rückfahrt. Dann sind die Passagen, die jetzt am Tag passiert werden in der Nacht und umgekehrt. Im Hafen von Svolvær konnten wir aber noch eine Ausstellung mit Eisskulpturen nachts um halb zwölf besichtigen: Magic Ice- die größte dauerhafte Ausstellung von Iceskulpturen der Welt. Im Winterparka geht man an bunt beleuchteten Skulpturen von Meerjungfrau bis Hurtigruten Schiff durch die – 6° kalte Halle. 

Gestern stand dann Tromsø auf dem Programm, wieder mit einer Stadtrundfahrt im Bus und einer netten, deutsch mit französischem Akzent sprechenden Reiseleiterin. 

Die nördlichste Großstadt der Welt beherbergt neben einem Polarmuseum Polaria mit Aquarium auch die nördlichste Brauerei der Welt. Ludwig Mack aus Bergen gründete sie Ende des 19. Jh. um den Bewohnern der Region was besseres zu bieten als ihren selbst gebrannten Fusel. Sie hat bis heute überlebt und ist auch Lieferant für die Schiffe der Hurtigruten Linie. Am Schluss der Stadtrundfahrt ging’s natürlich noch zur Eismeerkathedrale (Ishavskatedral), die eigentlich keine Kathedrale im kirchenrechtlichen Sinne ist, aber trotzdem als nördlichste Kathedrale  der Welt angepriesen wird. Ein moderner Bau aus dem letzten Jahrhundert, welcher der Polarlandschaft, Eisbergen und übereinander geschobenen Eisschollen nachempfunden ist. Besonders nachts sieht es durch die Beleuchtung aus als würde die Kirche von Polarlichtern beleuchtet. 

Seit Heute Nacht haben wir den ersten Herbststurm der Saison abbekommen, der sich auch jetzt noch ein bisschen fortsetzt, mit Windstärke zwölf auf der Beaufortskala. Alle wurden angewiesen in den Kabinen zu gucken das alles fest seinem Platz ist und nichts durch die Bewegungen herausfallen kann. Ganz so schlimm fand ich es dann nicht, ich konnte gut schlafen. Mutter hat die Seekrankheit allerdings schon ganz plötzlich auf dem rauhen Weg von Bodø zu den Lofoten erwischt. Nach ein bisschen ruhig liegen und Dank der  Reisetabletten ging’s dann aber noch am gleichen Abend wieder deutlich besser.

Jetzt sind wir auf dem Weg nach Honingsvåg, von wo man aus zum Nordkap gelangt. Wir haben den Ausflug aber erst für die Rückfahrt gebucht. D.h. ich werde mich mit Sauna und Whirlpool am Deck Vergnügen. *Grins*    Bei Temperaturen um die 3-4° im 38° heißen Whirlpool zu sitzen macht viel Spaß und ist entspannend und man hat den Pool für sich. 

Das Wetter ist gerade weiterhin  stürmisch, regnerisch, trocken, zwischendurch auch mal kurz sonnig, vorhin hat’s geschneit aber unsere Reiseleiterin versteht sich darauf JEDES Wetter so begeisternd zu verpacken, dass man – egal was für Wetter gerade herrscht- es für fantastisch hält. Sie bringt das so gut rüber, dass sie wohl auch einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen könnte. 😉   Da man sich auf dem Schiff in allen möglichen Ecken wohl fühlen kann ist es auch eigentlich völlig wurscht, ändern kann man es eh nicht und so genießen wir diese Urlaubsreise entlang der norwegischen Küste. 

Gerade jetzt schaut trotz Sturm die Sonne wieder hervor und beleuchtet das nordatlantische Eismeer. Huch, ich glaub ich brauch die Sonnenbrille. 🙂

Hier noch einige Impressionen der Reise: 

die beiden Schwesterschiffe in Trondheim: MS Trollfjord und MS Midnatssol

  

Ausfahrt aus dem Trondheimsfjord, mit einem der ältesten Leuchttürme Norwegens im Hintergrund

  

bei Stokkøya kurz nach der Durchfahrt durch eine nur 44 m breite Engstelle

  

Häuser? – kann man doch überall hinbauen… 🙂

  

Leuchtturm bei Sætervik

  

Sonnenuntergangsstimmung

  

Küste bei Meløy

  

ein Tal zw. 2 Bergen, vor einem Tal zw. 2 Bergen, vor einem T………………….

  

Polartaufe durch den Captain und König Neptun

  

„eiskalte“ Meerjungfrau… Eisskulpturen der Magic Ice Ausstellung

  
  

Gezeitenstrom bei einer Engstelle im Tromsøfjord

  

Anfahrt auf Tromsø mit der Eismeerkathedrale (weißer Bau rechts der Brücke) Anlegen ging erst im 2. Anlauf

  

sturmumtoste Südspitze der Tromsøinsel

  

Robben im Polaria-Museum

    

noch keines gesehen, aber es gibt schöne Polarlicht-Tshirts

  

der große Polarfprscher und erster Mensch am Südpol: Roald Amundsen.

  

Mond über sürmischer See bei Windstärke 10-11 lt. Beaufortskala

    
 

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein

MS Trollfjord – oder die „schönste Seereise der Welt“

Hei liebe Leserinnen und Leser, kaum zu glauben, aber es gibt mal wieder neues von mir:

2007 hat es angefangen, als meine Brüder und ich den Eltern zum Ruhestand ein Konto geschenkt haben und seitdem Weihnachten und Geburtstage der Eltern immer mal etwas darauf eingezahlt haben, damit sie sich die Hurtigrutentour (oder auch bekannt als Postschiffsreise) in Norwegen leisten können. Nun ist genug zusammenkommen. Ich wollte sie ursprünglich nur die erste halbe Strecke begleiten, (so als Reisebegleiter und Dolmetscher) aber der Unterschied für die ganze Strecke betrug nur 450 €, so dass ich nun die ganze Strecke mitmache.

Von was redet der da wieder? Hurtig … was? 1893 wurde die Hurtigruten Linie gegründet, um die Häfen an der norwegischen Küste auch im Winter mit Post und notwendigen Waren zu versorgen. Denn die Häfen entlang der Küste werden vom Golfstrom erreicht und sind damit ganzjährig eisfrei. Was man von Binnenland ja nicht unbedingt sagen kann. 🙂 
Nachdem immer mehr Straßen und Tunnel und Eisenbahnverbindungen gebaut wurden, hat die Postschiff Route ihre klassischen Ziele verloren, aber mit dem Transport von Touristen neue hinzu gewonnen. Daran war auch Kaiser Wilhelm II. nicht ganz unschuldig. Er war begeisterter Nordlandfahrer. In den sechziger Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg belebte sich das Tourismusgeschäft neu. Auch heute werden noch Waren transportiert, aber das Hauptgeschäft sind die Kreuzfahrten entlang der vielfältigen norwegischen Küste.

Nun wandeln wir auf dieser Strecke, nein, wandeln stimmt nicht – schwimmen auf dem Schiff… 🙂 

Heute war die Abfahrt in Bergen. Gestern sind wir schon mit der Bergenbahn von Oslo nach Bergen gefahren und haben viele Eindrücke aus der norwegischen Natur mit bekommen. Das Wetter war wie immer in Norwegen gemischt, leider heute mit viel Regen, aber auch ein paar Augenblicken Sonnenschein.

Bergen ist eine circa 1000 Jahre alte Stadt, die unter anderem die erste Hauptstadt und Königsstadt war und hatte ihre Hochzeit mit dem deutschen Handel der Hanse zwischen dem 15. und 18. Jh. Die weltberühmten Hafenhäuser der Brygge sind mehrfach abgebrannt und wieder aufgebaut worden.

Nachdem in den 70er Jahren Öl vor der norwegischen Küste gefunden wurde kam es zu einer neuen Blüte der Stadt. Heute ist es die zweitgrößte Stadt Norwegens.

 Jetzt ist es trocken und der fast volle Mond beschien vorhin die Meeresoberfläche auf dem Weg gen Norden. 

Hier noch einige Impressionen:  

Sonniger Momentauf dem Fløyen

  

etwas durchweicht vom Regen 🙂

  

der Ulriken, einer der sieben Hügel um die Stadt

auf der MS Trollfjord

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein

„damit wir Klug werden“ – 35. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Stuttgart 2015

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Stuttgarter Schlossplatz: auf dem Weg zum Eröffnungsgottesdienst.

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Jung und Alt feiern den Kirchentag und den Glauben

Hei liebe Leserinnen und Leser,

nachdem der Kirchentag in Stuttgart schon ein Jahr vorüber ist 🙂 schon der nächste Kirchentag vor der Tür steht und der Entwurf ein Jahr 🙂 nun 2 Jahre in der Ablage verbracht hat, habe ich mich doch noch rechtzeitig vor dem großen Reformationskirchentag in Berlin an den Artikel über Stuttgart erinnert….. (blödes vor sich herschieben… 😉 ) : (nicht wundern, der Text ist halt schon 2 Jahre alt… 😉 nur die Bilder haben noch gefehlt)

Dieser Beitrag handelt vom Kirchentag in Stuttgart 2015. Nachdem ich vor 2 Jahren für Hamburg keinen Urlaub bekam, hat es mich dieses Jahr sehr gefreut wieder in Stuttgart dabei sein zu können. Schon der letzte Kirchentag in Stuttgart 1999 war in meiner Erinnerung einer der schönsten (zusammen mit dem 1. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in Berlin 2003 und Köln 2007) und dieser übertraf es noch einmal.
Ihr seht schon, ich bin ein „Alter Hase“ was Kirchentage angeht. München 1993 war mein erster DEKT (=Deutscher Evangelischer Kirchentag) als Teilnehmer mit Jugendlichen aus dem Dekanat Aschaffenburg. Ebenso ’95 in Hamburg und ’97 in Leipzig und eben 1999 in Stuttgart. Wir schliefen immer in Turnhallen und Klassenzimmern, was damals einen Riesenspaß machte, allerdings häufig etwas dezentral lag. ( Heute ziehe ich dann doch ein richtiges Bett vor 😉 )
2001 in Frankfurt war ich dann das erste Mal privat bei einem Freund (Danke, René!) in Wiesbaden untergekommen. Und 2003 beim ÖKT in Berlin war ich erstmals als Mitarbeiter mit einer Gruppe dort. Die Evangelische Jugend in Bayern und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend in Bayern stellte gemeinsam das „Segensschwarten“ Projekt auf die Beine. Schwarten sind die Randbretter die beim Zersägen von Bäumen anfallen und noch Rinde am Rand haben. Wir hatten die Idee, dass diese mit Segenswünschen bemalt, beschrieben, ausgesägt, ….. oder sonst wie kreativ gestaltet werden können. Bei Sägewerken haben wir uns Material besorgt und mit freundlicher Unterstützung der Bundeswehr in LKWs nach Berlin geschafft. Im Zentrum Jugend am Berliner Kirchentag war das ein absolutes Highlight und nach kürzester Zeit war der Weg vom U-Bahnhof Anhalter Bahnhof zum Zentrum Jugend mit bunten Segensschwarten verziert. Wer wollte konnte seine gestaltete Segensschwarte mit nach Hause nehmen.
2005 in Hannover war ich leider aus beruflichen Gründen verhindert. 2007, ’09 und ’11 in Köln, Bremen und Dresden, sowie 2010 beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München war ich als Mitarbeiter für die AgLjv (Arbeitsgemeinschaft der Landesjugendvertretungen, hier sind die Ehrenamtlichen der aej (Arbeitsgemeinsschaft Evangelische Jugend in Deutschland) vertreten) dabei. Wir hatten meist Podiumsveranstaltungen zu bestimmten Themen im Zentrum Jugend organisiert. Beim ÖKT in München hatten wir als Redner und Diskussionsteilnehmer Dr. Eckart von Hirschhausen bei unserer Podiums-Veranstaltung zum Thema des Tages: „Liebe“. Das bescherte uns eine sehr interessante Runde und einige Auszüge aus seinem damaligen Programm mit dem gleichen Thema.
Vor 2 Jahren in Hamburg konnte ich leider nicht dabei sein, da ich erst ein paar Monate in Norwegen war und keinen Urlaub bekam.

„Was ist das eigentlich für eine Veranstaltung von der er hier so schwärmt?“ werden sich manche von euch fragen – das ist relativ einfach:
Der Deutsche Evangelische Kirchentag ist ein Treffen Evangelischer Christinnen und Christen (hauptsächlich, aber nicht nur!) und gilt als größtes evangelisches Laienevent weltweit für gemeinsam gelebten Glauben, für Austausch und Diskussionen, für fröhliches Singen und feiern oder stille Gebete. Der Kirchentag steht für Toleranz und Kontakt mit anderen Kulturen und ein friedliches Miteinander der Religionen.

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Gäste aus der ganzen Welt kommen zum Kirchentag

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen: Das Begeisternde an den Kirchentagen ist, dass nahezu jeder etwas für seinen Geschmack findet: Konzerte und Musik, zum zuhören, mitmachen und mitsingen – Klassik, Choralmusik, moderne christliche und weltliche Popmusik, Gospel, ACapella oder mit Band – Theater, Kleinkunstveranstaltungen – Gottesdienste in bekanntem Gewand oder auf eine neue, unbekannte Art und Weise – Bibellesungen – Diskussionen zu religiösen, politischen und aktuellen Themen zum zuhören und mitreden – Begegnungen mit Menschen aus vielen Ländern der Erde (ich war selbst schon bei sehr interessanten Vorträgen u.a. vom Dalai Lhama) – Messen und der Markt der Möglichkeiten mit Informationen aus und über viele (wenn nicht alle) Lebensbereichen – Großveranstaltungen mit vielen Menschen oder stilles Innehalten – im reichhaltigen Programm ist für jeden etwas dabei. Es kommen Alte und Junge gleichermaßen, Fromme und „nicht-so-fromme“ Menschen, Laien und Kirchenangestellte, Politiker, Künstler, Musiker, Schauspieler, ………..

Die Zahlen sprechen für sich: Seit Jahren kommen zw. 100000 und 120000 Dauerteilnehmer um bei rund 2500 Veranstaltungen etwas für sich zu finden und gemeinsam den Glauben zu feiern. Beim Abend der Begegnung (mit der Bevölkerung der Region) ist die Gastgebende Stadt regelmäßig mit 300000 – 400000 Besuchern gefüllt. Die OpenAir – Konzerte von Donnerstag bis Samstag Abend, die über die Stadt verteilt sind ziehen häufig mehrere zehntausend Gäste an (Wise Guys – Konzert auf den Rheinwiesen in Köln: über 70000). Zu den Schlussgottesdiensten am Sonntag kommen auch regelmäßig um die 100000 Teilnehmer.

Doch nun genug der Erklärungen und Zahlen, ich möchte euch von dem diesjährigen Kirchentag in Stuttgart (bereits der vierte in der Stadt) berichten:
Das erste Mal habe ich mich für ein Privatquartier angemeldet (Bett, Couch, Matratze von Einwohnern der Stadt bereitgestellt) und hatte gleich ein Riesenglück. Anhand meiner Anmeldung war zwar ersichtlich, dass ich Deutscher bin, aber da ich meine Norwegische Adresse angegeben habe, kam ich in einer WG unter, in der Mitbewohnerin Anja Norwegisch sprechen konnte, weil sie mal ein Semester in Bergen studiert hatte. Die WG lag ganz nah an der Stuttgarter Innenstadt, hatte fast direkten Straßen- und S-Bahn-Anschluss und da gerade einer der Bewohner ausgezogen war hatte ich sogar mein eigenes Zimmer. (DANKE!)
Dazu kam ein SUPER-Sommer-Sonnenwetter die ganzen 5 Tage mit Temperaturen über 30°C. Da es eine trockene Hitze war fand ich es ganz angenehm. Bis auf ein nächtliches Gewitter gab es fast nur blauen Himmel.

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Blauer Himmel vor dem Eröffnungsgottesdienst

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Vom Wetter einer der schönsten Kirchentage

Aus Oslo war sonst leider nur eine Kollegin aus dem Gemeindekirchenrat mit in Stuttgart. Ich bin von meinen Eltern in Buchbrunn aus mit dem Zug nach Stuttgart gefahren und konnte mich auf der Zugfahrt einer Gruppe mit ein paar bekannten Gesichtern aus Buchbrunn anschließen.
Zum Eröffnungsgottesdienst am Stuttgarter Schloss und am Abend der Begegnung war ich mit einigen aus der Gruppe unterwegs was sehr angenehm war. Beim Abend der Begegnung stellen sich Gemeinde und Gruppen der gastgebenden Landeskirche vor. „Gugg gscheid nâ!“ – „Schau genau, aufmerksam, klug hin!“, was Kirchengemeinden, Vereine und Initiativen aus den sieben Regionen der beiden Landeskirchen Württemberg und Baden zu diesem Straßenfest mitgebracht haben. Kulinarische Liebhaber durften sich auf „Herrgottsbscheiserle“ und „Buabaspitzle“, auf „Flachswickel“ und „Gaisburger Marsch“, auf „Dienende“ und „Ofenschlupfer“, auf Spätzle und Knöpfle, Schupfnudeln, und eine meiner Lieblingsspeisen: Maultaschen (Pur, mit Beilagen, als Burger, …..), Wildschweinbratwurst, Ökologisch produzierter Apfelsaft, …. und vieles mehr freuen. Das Symbol des Abends der Begegnung ist ein Baum. Dazu spielen Musik- und Theatergruppen auf verschiedenen Bühnen, Künstler zeigen ihr Können. Der Abschluss des „AdB“ bildete um 22 Uhr der „Klang des Südens“ und im Anschluss ein gemeinsamer Abendsegen an den Bühnen und am Schlossplatz.

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Abendsegen nach dem Abend der Begegnung

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Blick vom Schloss auf die Menge (Quelle: Kirchentag)

Der „Klang des Südens“ war ein Highlight für mich. Erstaunlicherweise klingen nämlich alte Volkslieder wenn sie von ca. 4000 ChorsängerInnen und ca. 1200 Bläsern und an die 100000 mitsingenden Besuchern gesungen werden ganz fantastisch!!! (Wie ihr hier hören könnt: https://www.youtube.com/embed/5cvtVVwMqjs?list=PL5NIly53r0trNDLSc5Dwwng2KbC-gUTHB „>Klang des Südens: Hab‘ oft im Kreis der Lieben ) Gesungen wurden: „Hab‘ oft im Kreis der Lieben“, „Auf dr schwäbsche Eisenbahne“, „Geh aus mein Herz“, „Im schönen Wiesengrunde“, „Lobe den Herren“, Gospels und moderne Lieder und zum Abschluss „Kein schöner Land“. Damit wurde in den Abendsegen übergeleitet und der Platz von unzähligen Kerzen erleuchtet.

Den Donnerstag habe ich im Zentrum Jugend und auf dem Markt der Möglichkeiten verbracht. Da ich nicht gerade der ausgewiesenste Frühaufsteher bin und der Weg zur Messe doch ein Stück länger war, habe ich es leider nicht rechtzeitig zur Bibelarbeit der Wise Guys geschafft.
Mittags habe ich die Veranstaltung „Wunderjahr 1989 – zwischen Stasi und Gott“des aktiven CVJM-Mitglieds Albrecht Kaul aus der DDR besucht, der berichtete wie er anderen Jungen Menschen in Zeiten der Unterdrückung geholfen hat, christliche Jugendveranstaltungen durchführte und das trotz Repressalien durch die Stasi und den sozialistischen Staatsapparat.

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Eine Skizze für den Fall seiner Festnahme

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Ostalgie 🙂

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Alfred Kaul (re.) wurde als Diakon in der DDR von der Stasi überwacht.

Nach dem Ende der DDR hat er lange damit gerungen ob er seine Stasi-Akte einsehen soll oder nicht. Er war sich unsicher wie er reagieren würde wenn unter den Spitzeln Freunde oder Verwandte von ihm aufgeführt wären. Dies war zum Glück nicht der Fall, allerdings fanden sich einige Namen von Mitarbeitern aus DDR Zeiten in seiner Akte, die ihn ausspioniert hatten. Überrascht war er darüber, wie nah er einer Verhaftung war. Die Stasi hatte ihn als „Gefährder“ geführt und einen detaillierten Plan seiner Wohnung und Umgebung und möglicher Fluchtwege, die blockiert sein müssen im Falle des Zugriffs. Der Vortrag war sehr eindrücklich, denn sonst hört man zwar von Stasi etc. aber das man mal mit einem Betroffenen spricht ist doch eher selten.


Bei meinem Rundgang durchs Zentrum Jugend und die Hallen des Marktes habe ich viele Freunde aus der Jugendarbeit wieder getroffen, die teils ehrenamtlich, teils hauptamtlich dort aktiv waren. Geblieben bin ich bis Abends, denn dort auf den Cannstatter Wasen fand dann ein weiteres Highlight statt, das Wise Guys Open Air Konzert.

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Wise Guys aus Köln

Wer die Wise Guys nicht kennt: Die Gruppe kommt aus Köln und singt A-Capella – also ohne Instrumente. Abgesehen davon, dass ich die Musik Spitzenklasse finde, hatte ich 1997 in Leipzig das Glück Eddie und Dän (die beiden „Köpfe“ der Band) persönlich kennen zu lernen: Nach dem Abend der Begegnung saß ich noch auf ein Bier in ner Kneipe und bin mit den beiden ins Gespräch gekommen – da kannte ich die Gruppe noch nicht. Wir haben uns den ganzen Abend sehr gut unterhalten und am Ende meinten sie ich solle doch zu ihrem Auftritt bei der Nacht der Lieder kommen, „sie würden da spielen“ haben sie ganz bescheiden gesagt. Ich staunte dann auch nicht schlecht als sie sozusagen die Hauptgruppe des Abends waren und mit durch den Abend geführt haben. Am Schluss bekam ich noch eine Handsignierte CD von ihnen geschenkt. Seit diesem Abend bin ich Riesen-Fan der Wise Guys. 🙂 (Aktuelle Anmerkung: Und leider gibt es nur noch bis Sommer 2017 die Möglichkeit diese fantastische Band Live zu hören, denn dann hören sie auf 😦  )


Auch dieses Jahr war es für sie kein Problem mit den ca. 30000 Besuchern sofort eine eindrucksvolle Stimmung aufkommen zu lassen. Ihr soziales Engagement kommt dabei nicht zu kurz: Die Band unterstützt das Hilfswerk Misereor bei verschiedenen Projekten und stellte diese ausführlich vor.

Am Freitag hatte ich es dann doch rechtzeitig zu der Bibelarbeit von Katrin Göring-Eckhardt auf dem Marktplatz geschafft. Zum Tagesspruch: „Klug sein angesichts der Unergründlichkeit des Lebens“ (Prediger 3, 9-13) gelang ihr eine eindrückliche Erzählung über ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen in Deutschland weitergegeben. U.a. berichtete sie, wie sie ein kleines Mädchen in einem Erstaufnahmelager für Flüchtlinge glücklich erzählte, dass sie jetzt in Sicherheit sei und ja keine Angst bei der „Fahrt mit dem Boot über das Meer“ hatte – denn da war ja ihr Vater dabei und hat auf sie aufgepasst. Daraufhin sah Frau Göring-Eckhardt den Vater an, dem die Angst und das Grauen über das erlebte ins Gesicht geschrieben war.

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Kathrin Göring-Eckhardt bei ihrer Bibelarbeit …

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… auf dem Stuttgarter Rathausplatz. Schon morgens bei hohen Temperaturen.

(Was ist eine Bibelarbeit? > Donnerstag bis Samstag finden jeweils zum Tageseinstieg von halb zehn bis halb elf Bibelarbeiten zum Tagesthema statt. Diese werden von den unterschiedlichsten bekannten oder unbekannteren Personen oder Gruppen gehalten, diese sollen um das Tagesthema herum einen besinnlichen Einstieg gestalten. Meist unterstützt von einer Band oder Musikern, denn das Singen soll natürlich nicht zu kurz kommen.)
Anschließend habe ich mich im Forum Reformationsjubiläum 2017 über die Veranstaltungen bis zum 500 jährigen Jubiläum ausführlich informieren können.
Weiter ging es wieder Richtung Cannstatter Wasen, wo ich nochmals beim Markt der Möglichkeiten vorbei schaute und meinen Vater traf, der für einen Tag mit einem Bus vom Dekanat Kitzingen auf dem DEKT zu Besuch war.

Zum entspannen machte ich am späteren Nachmittag einen Ausflug zum Stuttgarter Killesberg mit Parkanlage und Aussichtsturm bei schönstem Sommerwetter. Dort war 1999 noch das Messegelände und damit ein Großteil der Veranstaltungen gewesen.


Abends war ich dann mit Freunden aus meiner aktiven Zeit bei der AgLjv verabredet.

Samstag war für mich der Hauptvortrag: „Die Welt ist aus den Fugen – Wer übernimmt Verantwortung in Krisen und Konflikten“ in der Schleyer-Halle auf dem Programm. Moderator Arnd Hentze (Journalist beim WDR) lies Bischof Nick Baines (Anglikanische Kirche), Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier (MdB) und Kofi Annan (ehemaliger Generalsekretär der Vereinten Nationen zu dem Thema Stellung nehmen. Während Außenminister Steinmeier die Sicht Deutschlands vertrat – Konflikte sollten soweit möglich friedlich gelöst werden, aber im Notfall müsse man auch Waffen liefern (IS-Problematik), äußerte Bischof Baines, dass noch mehr Gewicht auf Verhandlungen gelegt werden müsse. Als dann Kofi Annan über seine Sicht der Lösung von Konflikten sprach und die Rolle der UNO hervorhob war es ganz still in der Halle. Er war sehr beeindruckend diesem Menschen zu zuhören, der seine Worte mit Bedacht wählt und dabei die Welt mahnt und zu mehr Einheit und Frieden aufruft.


Einig waren sich alle, dass man noch viel Intensiver diplomatische Mittel ausreizen müsse, statt wie sonst so häufig gleich mit Waffen oder Soldaten einzugreifen.
Der Vortrag war sehr beeindruckend und mein Highlight des Kirchentages.

Am Nachmittag und Abend habe ich mich für Kultur entschieden und bin beim „K3 – dem klerikalen Kabarett-Kommando“

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K3 – Klerikales Kabarett Kommando

aufgeschlagen – und es hat sich gelohnt. „Außer Thesen nichts gewesen? – Kirche heute, Luther damals oder umgekehrt?“ lautet das aktuelle Programm der beiden Pfarrer aus dem Rheinland. Mit viel „sich selbst“, die Kirchentagsbesucher und Politik und aktuelle Ereignisse „auf-den-Arm-nehmen“ und einer ordentlichen Portion Sarkasmus sorgten sie für Lacher am laufenden Band. Auf dem Weg dorthin habe ich noch Bekannte aus dem Dekanat Aschaffenburg getroffen.

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Auch mal Schlange stehen am Einlass gehört dazu… 

Später bin ich noch zu zwei Konzerten: erst habe ich die A-cappella-Band „VivaVoce“

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Viva Voce – eine A-capella Band aus ehemaligen Sängern des Windsbacher Knabenchores

(alles ehemalige Sänger des Windsbacher Knabenchores) erlebt und dann „Lieb dich Gesund“ (Songpoesie und Geschichten aus dem Leben) – ein Konzert christlicher Musiker am Schlossplatz mit dem abschließenden Abendsegen.

Am Sonntag fand auf den Cannstatter Wasen der große Abschlussgottesdienst unter sengender Sonne statt. „Mit dem Herzen wissen…“ war das Motto des Gottesdienstes zu dem fast 100000 Besucher kamen. Am Schluss wurde die Einladung zum nächsten Kirchentag in Berlin und der Lutherstadt Wittenberg und dem Reformationsjubiläum 2017 ausgesprochen. Als Besonderheit sind aber eine ganze Reihe Veranstaltungen vorher geplant, u.a. 7 „Kirchentage auf dem Weg“.

Das Programm für den Reformationskirchentag vom 24.-28. Mai 2017 ist beeindruckend. Barack Obama am Brandenburger Tor mit Kanzlerin Merkel, Wise Guys, Konzerte, Kirchentage auf dem Weg und am Sonntag das große Reformationsfest in Wittenberg. Noch mehr aufzuzählen würde bedeuten, dass ich nicht weiß wo ich aufhören soll… Wem ich durch den Artikel Lust gemacht habe: Kommt in 2 Wochen nach Berlin oder nach Erfurt, Jena/Weimar, Leipzig, Halle/Eisleben, Dessau-Rosslau, Wittenberg, Magdeburg, Potsdam und lasst euch von den Kirchentagen begeistern und feiert mit. Den 500 Geburtstag der Reformation gibt es nur einmal!

Mein Fazit: Es hat sich wieder gelohnt die Reise zum Kirchentag zu machen. Eine tolle Stimmung unter den Kirchentagsbesuchern, interessante Vorträge und Veranstaltungen, stimmungsvolle Konzerte und spaßiges Kabarett und dazu ein SUPER-Sommer-Sonnenwetter die ganzen 5 Tage mit Temperaturen über 30°C haben es zu einem besonderen Erlebnis werden lassen. Da es eine trockene Hitze war fand ich es ganz angenehm. Bis auf ein nächtliches Gewitter gab es fast nur blauen Himmel.

Nun genießt noch die restlichen Bilder:

 

So sehen Polarlichter in Echt aus

Hei liebe LeserInnen,

hier in Norwegen ist es gerade RICHTIG Hell um die Uhrzeit und man sieht eher keine Polarlichter.
Auf der Südseite der Erdkugel ist aber folglich tiefer Winter und daher gibt es heute mal ein Aurora aus der Antarktis: In Realtime, also so wie es live aussieht. Nicht Fotoserien/Timelapse-Filme wie man sie inzw. ganz oft hat:

<p><a href=“https://vimeo.com/131840190″>real time auroras – trial</a> from <a href=“https://vimeo.com/polarlights“>Robert Schwarz</a> on <a href=“https://vimeo.com“>Vimeo</a&gt;.</p>

Grüße aus dem endlich sommerlichen Oslo,
Euer Christian

God påske! Frohe Ostern!

Liebe Leserinnen und Leser,

 

ich wünsche euch ein frohes und gesegnetes Osterfest 2015!

Bei so sonnigem Wetter wie hier!

Frühling am Oslofjord mit Festung Akershus

 

Osterfrühstück in der evangelischen Gemeinde

 

Ostervollmond mit Halo

 

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein

Offener Brief eines Moslems an PEGIDA und Co

Hei liebe Leserinnen und Leser.

Keine Angst, dies soll kein politischer Blog werden, aber ab und zu nehme ich mir die demokratische garantierte Freiheit der Meinungsäußerung heraus und werde zu aktuellem Geschehen etwas posten.

Leider ist „PEGIDA“ inzwischen auch in Oslo angekommen – zum Glück mit einem ähnlichen Verhältnis von Pro – und Contra – Demonstranten wie in Deutschland – und ich habe auch schon an einem „Solidaritätszug gegen Ausländerfeindlichkeit und Hass“ teilgenommen.
Neben den größtenteils absurden Themen die die Organisatoren und Rechtspopulisten anbringen machen sie auch langsam den guten Ruf, welchen sich die Deutschen in den letzten Jahren erarbeitet/erlangt haben im Ausland kaputt.
Ich werde in Oslo schon vermehrt von Patienten und Kollegen darauf angesprochen „was denn da in Deutschland los sei“…

Sicher: Einige oder auch viele der PEGIDA Demonstranten gehen nicht nur wegen der Angeblichen Islamisierung des Abendlandes auf die Straße, sondern auch (oder hauptsächlich?) wegen Politikverdrossenheit, diversen Ängsten vor der Zukunft… , Verärgerung über die teilweise einseitige Medienberichterstattung zu verschiedenen Themen und und und …

ABER: wenn ich es mit den Nicht-Ausländerfeindlichen Themen Ernst meine, dann gehe ich NICHT mit einer Gruppe demonstrieren, die sich die Ausländerfeindlichkeit (PEG“IDA“-„Islamisierung des Abendlandes) auf die Fahne geschrieben hat!!!

Um seine Meinung über Politische Themen kund zu tun eigenen sich Wahlen, Bildung von Parteien, freie Meinungsäußerung, …….. aber nicht die teuer bezahlte Demokratie zu untergraben indem man mit den Ängsten der Menschen spielt, wie die Nationalsozialisten vor 1933.
Wer mit allen Parteien oder der Politik untzufrieden ist, sollte bei der nächsten Wahl hingehen (eine sehr wichtige Möglichkeit die uns die Demokratie bringt meiner Meinung nach) und einen dicken Strich über den Zettel machen. Wenn das alle Unzufriedenen machen und so die Zahl der Ungültigen Stimmen höher ist als die der rechten oder linken Extremisten – DAS wäre mal ein Denkzettel für die Politiker!

Als ich im Vorfeld der ersten PEGIDA Demonstration in Oslo in Facebook den Link zur Gegendemo verbreitet habe, musste ich mich von ein paar Ewiggestrigen u.a. als „Toleranz-Idiot“ beleidigen lassen. Argumente habe ich inzwischen zum Glück genug um mit Anhängern von PEGIDA zu diskutieren (wenn sie es denn wollten), aber wenn man irgendwo unvorbereitet in Diskussionen verwickelt wird fehlen einem häufig Zahlen, Argumente, ..ect.
Heute bin ich auf einen Artikel eines Moslems aus England gestoßen. Er schreibt mir aus der Seele und bringt auch mal Zahlen mit denen man argumentieren kann.
Wer sich bisher von den rechten Bauernfängern von PEGIDA und Co hat einlullen lassen, aber doch im inneren Unsicher ist, der sollte diesen offenen Brief lesen:

Was ein Moslem 25.000 Islam-Gegnern in Deutschland antwortet

Veröffentlicht: 20/01/2015 16:18 CET  Aktualisiert: Vor 1 Stunde
Quelle: Huffington Post Deutschland

Pegida demonstriert in Dresden, Legida in Leizpig. Islamhasser und Einwanderungsgegner wie Pegida-Gründer Lutz Bachmann verbreiten ihre Thesen auf der Straße und in den Medien. Ohne Rücksicht auf die Fakten über Muslime und Islam in Deutschland, in Europa. Ein Muslim aus Großbritannien hat die Nase voll davon. Und eine ziemlich gute Idee.

Liebe 25.000 anti-islamische Demonstranten in Dresden,
liebe Pepita, 

wie ich höre, habt ihr zu Tausenden gegen meine Religion demonstriert. Letzte Woche, letzten Monat. Ihr geht gegen Einwanderer, Ausländer und Menschen mit dunkler Hautfarbe auf die Straße. Ich werde jetzt keine Vergleiche zu Nazi-Deutschland ziehen. Ich werde euch nicht Bigotterie vorwerfen, ich werde euch nicht beleidigen, und ich werde euch nicht pauschal verurteilen. Aber wir haben hier ein Problem.

Muslimische Invasion? Nur 2,5 Prozent der Deutschen sind Moslems

Ihr tragt Plakate vor euch her, auf denen ihr behauptet, es gebe zu viele Muslime in eurer Stadt. Dabei sind nur 0,1 Prozent der Einwohner Dresdens tatsächlich Muslime. Ihr protestiert gegen Einwanderer, die angeblich eure Schulklassen überfüllen, sodass eure Kinder für ihr Recht auf Bildung kilometerweit fahren müssen. Dabei sind nur 2,5 Prozent der Einwohner Dresdens ausländischer Herkunft.

Ihr behauptet, dass es in Deutschland eine muslimische Invasion gibt. Dabei sind nur 5 Prozent der Deutschen Moslems.


„Islamisierung des Abendlandes“? Nur 6 Prozent der Bevölkerung Europas sind Muslime

Ihr demonstriert „gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Doch nach hundert Jahren, die uns unter anderem zwei Weltkriege, die Auflösung der Kolonien, unzählige Bürgerkriege und Konflikte, ausländische Intervention, Globalisierung und zunehmende Vertreibung beschert haben, stellen die Moslems in Europa immer noch eine Minderheit dar. Nämlich weniger als 6 Prozent. Ziemlich dürftig für eine versuchte Kolonialisierung, oder?

Zu viele Asylbewerber? Im Libanon ist jeder Vierte ein Flüchtling aus Syrien

Ihr demonstriert gegen Flüchtlinge und Asylbewerber, weil ihr denkt, dass sie das deutsche Sozialsystem und eure soziale Sicherheit gefährden. Dem Flüchtlingshilfwerk der UNO zufolge gibt es weltweit 51,2 Millionen Flüchtlinge.Deutschland sorgt für gerade einmal 1 % von ihnen. Ist das wirklich zu viel verlangt? Übersteigt diese humanitäre Verpflichtung tatsächlich den Rahmen der Flüchtlingskonvention von 1951, die eure Regierung ratifiziert hat? Ist das tatsächlich so schlimm, vor allem, wenn man sich im Vergleich einmal den Libanon ansieht, wo Flüchtlinge aus Syrien ein Viertel der Bevölkerung ausmachen?

Gegner der Einwanderung gibt es auch in Großbritannien

Liebe Demonstranten, ihr seid nicht allein. In meiner Heimat Großbritannien gibt es auch eine Anti-Einwanderungs-Partei. Die Ukip hat ihren ersten Sitz in Clacton allein mit einwandererfeindlicher Rhetorik gewonnen. Dabei sind nur 4,3 Prozent der Einwohner Clactons ausländischer Herkunft. In einem parlamentarischen System, bei dem jeder Wahlkreis einen eigenen Repräsentanten wählt, der die Ansichten der Wähler vertreten soll, kann die Ukip für die Bürger Claptons dabei überhaupt nichts erreichen.

Seht ihr da ein Muster? Lasst es mich erklären: Leute von eurem Schlag treten vor allem dort in Erscheinung, wo es das „Problem“ eigentlich gar nicht gibt. Hat das vielleicht etwas mit negativer Wahrnehmung zu tun? Angst vor dem Unbekannten? Intoleranz und Ignoranz? Der Versuch, eine schwächere Bevölkerungsschicht zum Sündenbock zu machen? Fehlinformation durch die Medien?

Ich erkläre es gern noch genauer. In London sind 36,2 Prozent der Einwohner ausländischer Herkunft. In relativen Zahlen sind das fünfzehn Mal so viele Ausländer wie in Dresden. Ausländer aus sehr viel mehr verschiedenen Ländern als in Dresden. Die Ukip hat in London im Vergleich zum restlichen Land dennoch die schlechtesten Umfragewerte – und zwar bei allen Bevölkerungsgruppen, ob Ausländer oder nicht. London ist eine Metropole, in der Menschen aller Hautfarben Seite an Seite arbeiten. Und es geht uns gut. Ich habe gestern einen Atheisten gesehen. Und wisst ihr was? Ich wollte ihn weder bekehren noch ihn wegen Blasphemie köpfen. Ich habe ihm einfach beim Aussteigen aus dem Bus geholfen. Er war 74 Jahre alt.

Ergibt das Sinn?

Euer Wissen über den Islam stammt nur aus den Medien

Euer gesamtes Wissen über den Islam stammt aus einem Kasten in eurem Wohnzimmer. Die Informationen, denen ihr euch aussetzt, bestätigen nur, was ihr hören wollt und sind voller kognitiver Dissonanzen. Diese Informationen, die jeden, der nicht ist wir ihr, polarisiert und entmenschlicht.

Euch gefällt die Rechtsaußen-Berichterstattung der Medien über den Islam. Dadurch fühlt ihr euch gut. Überlegen. Besser als andere. Wir sind schließlich die barbarischen Moslems. Wir haben keinen Respekt vor Frauen, und wir zwingen anderen unseren Glauben auf.

Viele weibliche Staatsoberhäupter in islamischen Ländern

Wisst ihr eigentlich, dass es in der Türkei, in Indonesien und in Bangladesch – allesamt Staaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit – mehr gewählte weibliche Staatsoberhäupter gab als in fast allen anderen westlichen Ländern? Wisst ihr eigentlich, dass der Koran eindeutig sagt „In der Religion gibt es keinen Zwang“, und dass unser Prophet deutlich gemacht hat „wer einen Menschen nichtmuslimischen Glaubens verletzt, wird nicht einmal in die Nähe des Paradieses kommen“?

Eure Fehlinterpretation des Islam spielt Terroristen in die Hände

Wisst ihr eigentlich, dass eure verdrehte Fehlinterpretation meiner Religion den Terroristen in die Hände spielt? Wisst ihr eigentlich, dass ihr und die Terroristen euch bei einer Sache einig seid, die einen wichtigen Teil eurer Identität auszumachen scheint, nämlich, dass der Islam eine gewaltbereite Religion ist? Wisst ihr eigentlich, dass ihr diese Behauptung sogar mit denselben Methoden stützt: indem ihr eine Sure aus dem Kontext reißt und jeder intellektuellen Diskussion aus dem Weg geht?

Wer sind Moslems für euch überhaupt? Araber? Weniger als 20 Prozent von uns sind Araber. Inder oder Pakistani? Das sind auch nicht einmal 20 Prozent. Türken? Weniger als 5 Prozent. Sonst niemand mehr? Über die Hälfte von uns könnt ihr also nicht richtig zuordnen.

Ihr schließt von unserer Herkunft auf unsere Identität. Ist es nicht frustrierend, dass so viele Menschen ein derart beschränktes Weltbild haben? Zeigt das nicht eine engstirnige Perspektive, die sich allein auf das existenzielle Leben und Vorurteile beschränkt? Führt diese Haltung nicht ziemlich wahrscheinlich zu ignoranten Vermutungen und Beleidigungen angesichts des Unbekannten?

Ich frage mich, wie ihr zu deutschen Moslems steht. Werden die verschont, weil sie weiß sind? Oder werden sie zu Verrätern erklärt und gemieden? Ist es schwierig, sich zu entscheiden, ob man Rassist ist oder einen Mitbürger vernachlässigt? Entscheidet euch gegen beide Optionen. Entscheidet euch für Bildung. Toleranz. Freundlichkeit.

Verlasst diesen Teufelskreis, in dem rechtsgerichtete Medien (die nichts über Ausländer wissen) rechtsgerichteten Menschen (die nichts über Ausländer wissen) erzählen, wie sie über Ausländer denken sollen.

Ihr Islamhasser und Pegida-Leute, redet doch mal mit Muslimen

Habt ihr jemals einen Muslim getroffen? Und „treffen“ heißt hier nicht, Beschimpfungen zu schreien oder jemanden in oder vor seiner Wohnung zu erstechen. Habt ihr schon einmal mit Moslems zusammengesessen? Mit Moslems gesprochen? Mit Moslems zusammengearbeitet?

Probiert es einmal. Vielleicht an einem Flughafen, wo wir mit 42 mal höherer Wahrscheinlichkeit durchsucht werden. Da könnt ihr euch sicher sein, dass von uns keine Gefahr ausgeht.

Mit freundlichen Grüßen
ein echter Moslem (keiner von denen aus dem Fernsehen)

 

 

Leider befürchte ich werden diejenigen die es betreffen würde das nicht lesen.
Es kommt ja auch aus der „Lügenpresse“…..

Grüße aus Oslo,

Christian

2014 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 10.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 4 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein

Video aus dem ganz hohen Norden

Hei liebe Leser, beim surfen bin ich mal wieder auf ein fantastisches Video aus Nordnorwegen gestoßen, an dem ich euch teilhaben lassen will:

<p><a href=“http://vimeo.com/113946792″>Arctic Norway: A Time Lapse</a> from <a href=“http://vimeo.com/fmsphoto“>Fatih M. Sahbaz Photography</a> on <a href=“https://vimeo.com“>Vimeo</a&gt;.</p>

 

und gleich noch eines:

<p><a href=“http://vimeo.com/21294655″>The Aurora</a> from <a href=“http://vimeo.com/terjes“>TSO Photography</a> on <a href=“https://vimeo.com“>Vimeo</a&gt;.</p>

von doncam1976 Veröffentlicht in Allgemein